
Referate
und Studienfahrtmaterialien
Linda Siefert, Jakob
Mitschka
Ungarn, Landschafts- und
Vegetationseinteilung
Zwei Drittel des Landgebietes nimmt die sich von der
Donaulinie nach Osten bis zur Landesgrenze erstreckende (Große Ungarische
Tiefebene ein, welche aus mehreren Regionen besteht. Lernt man sie näher
kennen, so stellt sich heraus, dass sie ein Mosaik vielfarbiger,
abwechslungsreicher Landschaften ist, nicht aber nur eine Puszta, wie sich
das viele vorstellen. Der westliche Teil der Tiefebene, das Gebiet
zwischen Theiss und Donau (die zwei größten ungarischen Flüsse) ist eine
von Hainen, Akazienwäldern und riesigen Obstpflanzungen gekennzeichnete,
von Menschenhand geformte, anziehende Landschaft.
Die heutige Kulturlandschaft entwickelte sich erst im
19. Jahrhundert, als die Flüsse, die das Land einst regelmäßig
überschwemmten, gebändigt wurden. Generationen der ungarischen
Bauernschaft hatten sie mit viel Arbeit, Erfindungsgeist und zäher
Ausdauer so gestaltet. Denn es hatte eine Zeit gegeben, da Sand weite
Gebiete bedeckte, nachdem zur Zeit der Türkenherrschaft (150 Jahre) die
Dörfer vernichtet worden waren. Die Überlebenden und die Ansiedler banden
den Treibsand, sie pflanzten Akazienwälder und setzten Millionen
Weinstöcke und Obstbäume. So wurde das Gebiet zwischen Donau und Theiss zu
einem der fruchtbarsten Teile des Landes, wo feines Obst und Gemüse,
vortreffliche Fische, aromatisches Fleisch zu finden sind. Die Tiefebene
mit ihren frostigen Wintern und den tropisch heißen und trockenen Sommern
betrachten die Ungarn als das Herzstück des Landes.
Das große Alföld, die ungarische Tiefebene nimmt über
50% der Landesfläche ein. Das Alföld wird im Westen nur teilweise von der
Donau begrenzt und reicht mit seiner westlichen Ausdehnung bis zur NO-
Spitze des Plattensees. Im NW wird es vom Nordungarischem Mittelgebirge
begrenzt. Das Kisalföld (im dt. Sprachgebrauch Kleines Ungarisches
Tiefland) liegt zwischen den Ausläufen der österreichischen Zentralalpen
im W und dem Transdanubischen Mittelgebirge im O und SO. Den Süd-Westen
nimmt das Danubische Hügelland ein. Das Alföld ist stellenweise von Löß
bedeckt. Das Von NO nach SW ziehende Ungarische Mittelgebirge gliedert
sich im Nordungarischen Mittelgebirge in die Hauptteile Börzsöny-Gebirge,
Cserhat, Mátra-Gebirge, Bükk-Gebirge und Zepliner Gebirge, im
Transdanubischen Mittelgebirge in Bakonywald, Vertes- und
Donauwinkelgebirge.
Bei starken Temperaturunterschieden zwischen Sommer
und Winter ist das Klima kontinental. Die Kontinentalität wird
abgeschwächt durch westlich-atlantische und mediterrane Einwirkungen, die
in jedem Monat Niederschlag sichern. Die mittleren und östlichen
Landesteile sind häufig der Dürre ausgesetzt, allerdings gibt es auch
Überschwemmungen im Frühling und Sommeranfang.
In der ungarischen Tiefebene wurde die natürliche
Steppenvegetation weitgehend durch Kulturpflanzen verdrängt. Der Wald,
meist Laubholz, nimmt nur ein Sechstel der Landfläche ein.
Landesnatur Ungarn ist ein typischer Binnenstaat. Das
Land, ungefähr doppelt so groß wie Niedersachsen, liegt über 200 km vom
Adriatischen Meer entfernt in einer weiten Senke, die im Westen von den
Alpen, im Norden und Osten von den Karpaten und im Süden vom Dinarischen
Gebirge umschlossen wird. In Nord-Süd-Richtung misst die Republik rund 300
km, von Westen nach Osten etwa 500 km. Sie wird von der Donau (Duna) mit
der Theiß (Tisza) als wichtigstem Nebenfluss entwässert. Die Lauflänge des
nach der Wolga zweitgrößten Stroms Europas beträgt in Ungarn 420 km.
Größter ungarischer See ist der Plattensee (Balaton; 592 km²), zugleich
der größte Binnensee Mitteleuropas. 98 % des Landes liegen tiefer als 400
m über dem Meeresspiegel.
Zwei ausgedehnte Tiefländer, die meist unter 200 m
Meereshöhe bleiben, nehmen rund vier Fünftel der Landesfläche ein: das
Alföld („Großes Tiefland“) im Südosten, auch als Niederungarische
Tiefebene oder Donau-Theiß-Tiefland bezeichnet, und das Kisalföld
(„Kleines Tiefland“), die von der Raab (Raba) durchflossene Oberungarische
Tiefebene im Nordwesten. Zwischen den beiden Tiefländern erstreckt sich
ein fast 200 km langer und bis 40 km breiter Mittelgebirgsrücken, der im
Bakonywald 704 m Höhe erreicht und am Donauknie endet. Jenseits des Stroms
setzt sich das Ungarische Mittelgebirge entlang der slowakischen Grenze
mit dem Mátra-Gebirge und dem höchsten Berg des Landes, dem 1015 m hohen
Kekes, fort. Im äußersten Süden der Republik liegt ein weiteres kleines
Mittelgebirgsmassiv: das Mecsek-Gebirge (682 m).
Die ungarischen Tiefländer mit den darin
eingebetteten Mittelgebirgen gehören zum Pannonischen Becken, einem großen
Senkungsfeld innerhalb der Erdkruste, das während der Alpidischen
Gebirgsbildung innerhalb des jungen europäischen Kettengebirgsgürtels
eingebrochen ist. Im Tertiär lag hier noch ein Meer, an dessen Grund sich
lockere Sedimente in mächtigen Schichten absetzten. Als sich das Meer
schließlich nach Südosten zurückgezogen hatte, trugen die Alpen- und
Karpatenflüsse Kies und Sand in das Becken hinein.
Im Eiszeitalter lagerte der Wind über den mehrere
tausend Meter dicken Sedimentschichten Löß und Flugsand ab. Aus dem Löß
haben sich in der Nacheiszeit fruchtbare Schwarzerden entwickelt, während
die Flugsandfelder und Dünen weniger ertragreiche, aber besonders für den
Obstbau (Aprikosen) geeignete Braunerden tragen. Die ungarischen
Mittelgebirge werden aus älteren Gesteinen aufgebaut, die in einzelnen
Bruchschollen an den Rändern des Senkungsfeldes lagern oder als
geologische Horste aus den jungen Sedimentmassen ragen.
Durch die Brüche des zerstückelten Untergrunds
drangen in der Erdneuzeit Gesteinsschmelzen an die Oberfläche und
erstarrten dort zu Lavagesteinen. Der junge Vulkanismus macht sich in
zahlreichen Thermalquellen bemerkbar. Sie werden als Heilquellen genutzt
oder zur Beheizung von Wohnungen und Treibhäusern verwendet. Oft enthält
das Thermalwasser vulkanische Kohlensäure dazu nicht selten Erdgas, das
aus der Tiefe dringt. Als Land im Zentrum Europas hat Ungarn auch Anteil
an drei großen Klimaregionen des Kontinents: der ozeanischen, der
mediterranen und der kontinentalen. Ozeanische Einflüsse prägen vor allem
den Klimacharakter der Mittelgebirge im Norden und Nordwesten, die
häufiger von den Ausläufern atlantischer Tiefdruckwirbel gestreift werden
und deshalb gleichmäßig beregnet werden. Im äußersten Südwesten ist der
mediterrane Einfluss vor allem an den heftigen Oktoberregen zu erkennen.
Sie gehen nieder, wenn feuchtwarme mediterrane
Luftmassen von der Adria her über die Kämme des Dinarischen Gebirges
schwappen. Der kontinentale Einfluß zeigt sich in den vergleichsweise
großen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Kurze, aber recht kalte
Winter wechseln mit heißen, relativ trockenen Sommern. Der kontinentale
Klimapol Ungarns liegt im Zentrum des Alfölds. Dort wurden schon
Temperaturen unter -40 °C bzw. über +34°C gemessen. Die langjährigen
Temperaturmittel schwanken allerdings mit 80 im Norden bis 110 im Süden in
dem Mitteleuropäern vertrauten Bereich der Quecksilberskala. Im Hochsommer
werden Durchschnittstemperaturen zwischen 19 und 23, im Januar um -1
verzeichnet. Der mittlere Jahresniederschlag liegt bei 600 mm pro
Quadratmeter Bodenoberfläche, sinkt im östlichen Tiefland unter die 500-mm
Marke und steigt zum Alpensaum hin auf 1000 mm pro Quadratmeter an. Die
winterliche Schneedecke ist im Tiefland dünn hält sich dort im
Durchschnitt auch nur insgesamt vier bis sechs Wochen. Um so länger dauern
austauscharme Wetterlagen, bei denen sich die Abgase der Industriereviere
und Großstädte unter einer tief liegenden Sperrschicht zum
gesundheitsgefährdenden Smog anreichern.
Die Vegetation in den Gebieten mit leichten,
wasserdurchlässigen Flugsandböden leidet bei der infolge der intensiven
Sonneneinstrahlung im Sommer sehr kräftigen Verdunstung häufig unter
Wassermangel. Andererseits kommt es im trockenen Osten der Republik fast
jedes Jahr zu verheerenden Überschwemmungen, besonders wenn im Winter
Regen auf den noch gefrorenen Erdboden fällt. Gefürchtet waren und sind
bis heute die Hochwässer der Theiß, die bei extremen Wetterlagen mehr als
doppelt so viel Wasser wie der Rhein im Durchschnitt an der
deutsch-niederländischen Grenze führt. Noch um die Mitte des 19. Jh.
wurden im ungarischen Einzugsgebiet der ungebändigten Theiß rund 20 000
km2 mehr oder weniger regelmäßig überflutet. 4000 km Deiche waren nötig,
um die Hochwassergefahr auf ein erträgliches Maß zu verringern. Hinzu
kommen noch über 1000 km Deiche an der Donau, deren Pegelstand sich in
kurzer Zeit um bis zu 8 m erhöhen kann. Besondere Gefahr droht, wenn sich
die Hochwasser von Donau und Theiß vereinigen und es zum Rückstau kommt.
Das Wasser der ungarischen Flüsse enthält fast immer einen größeren oder
kleineren Anteil gelöster Salze, die vorwiegend aus salzhaltigen
Gesteinsschichten in den Gebirgen am Rand der Tiefländer stammen.
Bei Überschwemmungen durchtränkt das salzige Wasser
den Boden der Talauen, steigt in Trockenzeiten kapillar zur Oberfläche
auf, verdunstet dort und hinterlässt Salzausscheidungen. In Ungarn nennt
man solche Böden, die beispielsweise in der Hortobágy Puszta weite Flächen
einnehmen, Szikböden. Sie lassen sich nur sehr schwer kultivieren und
eignen sich allenfalls als dürftiges Weideland. Die Flugsandböden im
Alföld und Kisalföld sind dagegen leicht zu bearbeiten, aber anfällig für
die Bodenerosionen durch den Wind. Als Windschutz wurden in den nahezu
waldlosen Tiefländern vielerorts Hecken und Baumstreifen, hauptsächlich
aus Robinien und Akazien, angelegt. Die Puszta, das „verödete, kahle,
menschenleere Gebiet“, das im Sommer von der Sonne ausgedörrt und im
Winter von Stürmen gepeitscht wird, ist der Landtyp, den man gemeinhin mit
Ungarn in Verbindung bringt.
Doch vor der Besiedlung und Kultivierung durch den
Menschen war praktisch das gesamte Gebiet zwischen den Karpaten und den
Alpen bewaldet. Die höchsten Gipfel der ungarischen Mittelgebirge ragen
nirgends über die natürliche Waldgrenze hinaus, und der Grenzsaum zwischen
der südosteuropäischen Laubmischwaldregion und der waldfreien Steppe
verlief vor 5000 Jahren noch weit östlich des Karpatenbogens. Durch
Rodung, Holznutzung, Brand, Waldweide und Holzkohlegewinnung wurde der
Waldanteil seither stark dezimiert. Weniger als ein Fünftel der
ungarischen Landesfläche ist heute noch bewaldet. Die wenigen erhaltenen
naturnahen Waldbestände zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Vielfalt
von Waldgesellschaften und großen Artenreichtum aus.
In den Hügelländern und Mittelgebirgen nördlich von
Donau und Theiß wird die natürliche Vegetation von Eichen-Mischwäldern in
tieferen und Buchen-Mischwäldern in höheren Lagen gebildet. Die Flora der
Gebiete süd-westlich der Donau enthält bereits zahlreiche mediterrane
Gewächse. In den Tiefländern Pannoniens ziehen sich an den Flussläufen
üppige Auenwälder entlang, während außerhalb der Talauen ursprünglich
lichte Eichen-Steppenwälder, auf Sandböden auch Sandkiefernwälder und
Wacholder-Silberpappelwälder verbreitet waren. Heute ist das
Eichen-Steppenwaldgebiet Pannoniens zu neun Zehnteln Ackerland,
gewissermaßen eine Agrarsteppe.
Die Flussauen mit ihren Altwassern, Sümpfen, Kanälen
und natürlichen Wasserläufen beherbergen eine reiche Vogelwelt, fast alle
europäischen Reiherarten, Kormorane, Schwarzstörche; in den bewaldeten
Mittelgebirgen leben Tierarten des mitteleuropäischen Laubwaldgürtels wie
Rothirsch und Wildschwein; die prominentesten Vertreter der ungarischen
Fauna sind freilich die Bewohner der Puszta, typische Steppen- und
Agrarsteppentiere wie die Großtrappe oder der Ziesel.
Ungarns Vegetationsgebiete
Ungarn war einst zum großen Teil mit Wäldern bedeckt.
Die Tiefebene war eine Waldsteppe, unterbrochen durch Moorgebiete,
Wiesenflächen und Auwälder. Als die eingewanderten Völker sesshaft wurden
und sich neben der Viehhaltung auch der Ackerbau entwickelte, wurden im
Laufe vieler Jahrhunderte große Gebiete gerodet. Heute beträgt der Anteil
der Waldflächen an der Gesamtfläche des Landes knapp 18 %. Insgesamt
werden rund neun Zehntel der Gesamtfläche land- und forstwirtschaftlich
genutzt .Die Schwemmböden des Alföld und auch die Schwarzerde- und
Lößböden im Süden und Südosten sind sehr fruchtbar, hier wird
hauptsächlich Tabak, Wein, Zuckerrüben, Weizen und Mais angebaut. In den
nördlichen Hochländern sind die Böden der Flusstäler im Allgemeinen
fruchtbar, allerdings ist der Boden in weiten Teilen Ungarns sehr locker
und besteht aus Löß oder Sand, hier werden zu meist Obst/Frühgemüse, Mais
und gelegentlich Wein und Weizen angebaut . Die ungarische Flora wird zum
mitteleuropäischen Florengebiet gerechnet. Das Transdanubische Hügelland
ist hauptsächlich mit Buchen- und Eichenwäldern bestanden. Es gibt aber
auch Edelkastanien und sogar Oleanderbäume. Buchen- und Eichenbestände
sind auch in den ungarischen Mittelgebirgen dominierend, Nadelhölzer
dagegen sind selten, sie kommen eigentlich nur am Ostrand der Alpen vor.
Auf den trockenen Gebieten der Tiefebene mit ihren Sandböden wachsen
Eschen, Birken, Pappeln und Akazien.
Quellennachweis:
Internet
Westermann Lexikon, Europa, Braunschweig 1995
Schlag
nach, Europa, Mannheim 1977
Fischer Länderkunde, Europa, Frankfurt 1989
Links
Inhalt der Sammlung der Vorbereitungsreferate
Programm
der Studienfahrt nach Ungarn 2000
Dokument Information
Der
Abschlussbericht der Ungarnfahrt vom 09.10.2000 bis zum 17.10.2000 wurde
aus Zeitmangel niemals fertig gestellt. Er sollte in einem Heft der
Schriftenreihe des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V., Heft 7 - ISSN 0945-1536 - erscheinen. Der
vorliegende Text wurden veröffentlicht im Internet am 17.11.2011 auf diese Homepage
Kontakt: Gerhard Voigt OStR i.R. (seit 2009). Potsdamer Str. 20, 30952
Ronnenberg / Region Hannover
Bismarckschule.Voigt@gmx.de .
Urheberrechte vorbehalten
Revision 17.11.2011