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URL: http://www.unesco-club-hannover.de
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee
Bismarckschule Hannover e.V.
Interkulturelles Lernen - Schulpartnerschaften - Patenschaften - Studienfahrten - Projekte

 

 

Gerhard Voigt

Ungarn

 Bericht von einer wirtschaftsgeographischen Fachexkursion in den Altindustrieraum in Nordungarn unter der Leitung von
Prof. Dr. Zoltan Antal (ELTE)

2.-7.9.1991

im Rahmen der internationalen wissenschaftlichen Konferenz
»Aktuelle Fragen der Geographie
in Wissenschaft und Unterricht«

anläßlich des fünfzigsten Jahrestages des Bestehens des
Lehrstuhles für Allgemeine Wirtschaftsgeographie
der Eötvös-Loránd-Universität von Budapest

Einführung

Die weltoffene, interkulturelle Arbeit einer UNESCO-Projekt-Schule äußert sich nicht nur in spektakulären Schüleraustauschprogrammen, Schulpart­ner­schaf­ten und Projektveranstaltungen, sondern hat nur dann ihr Ziel erreicht, wenn die Ziele und Perspektiven der UNESCO-Arbeit ganz selbstverständlich im Unter­richt aufgenommen und fruchtbar gemacht werden.

Die Bismarckschule Hannover hat hierbei sicher noch nicht alles geleistet, was notwendig oder sinnvoll wäre, aber sie versucht immer wieder, diesen Zielen nä­her zu kommen im Sinne einer ständigen Aufgabe und Verpflichtung.

Eine Möglichkeit, UNESCO-Schul-Arbeit in die Unterrichtspraxis zu in­te­grie­ren, bieten die Studienfahrten in den Leistungskursen der Sekundarstufe II (Kurs­stufe). Aus­landsstudienfahrten haben sowohl eine deutliche fachliche Schwer­punkt­set­zung als auch die Aufgabe, mit offenen Augen die politischen und kul­turellen Si­tua­tionen wahrzunehmen und aufzuarbeiten. Die politischen Umwälzungen in Euro­pa, die sich in der sozialen Aufbruchstimmung im letzten Jahrzehnt in Län­dern wie Polen und Ungarn schon andeuteten, stellen uns Fragen zu unserer eige­nen gesellschaftlichen Lebensperspektive und den Chancen für ein fried­li­ches Zusammenleben: die aktuellen Bedrohungen des Friedens führen uns die Nach­richten ja jeden Tag aus neue drastisch vor Augen!

Umso wichtiger ist es, die sozialen und ökonomischen Transformationsprozesse nicht nur "globalpolitisch" wie unsere regierungsamtlichen "Generalisten" zu klas­sifizieren und zu kategorisieren, sondern sensibel und wachen Sinnes die hi­sto­rischen und sozialen Determinanten aufzuspüren, die Prozeßhaftigkeit der Um­wand­lungen zu begreifen und Konfliktpotentiale zu erkennen, ehe sie sich in Ag­gres­sion und Krieg entladen. Umso wichtiger ist für uns der bewußte inter­kul­tu­rel­le Ansatz und die Verpflichtung gegenüber den völkerverbindenden Zielen der UNESCO.

Polen ist seit langem Schwerpunktthema dieser Bemühungen unserer Schule. Um das Bild auszuweiten, zu differenzieren und die Vielfältigkeit der Pro­blem­la­gen und Transformationen besser verstehen zu lernen, führen wir seit vielen Jah­ren vor allem mit Leistungskursen des Faches Gemeinschaftskunde Stu­dien­fahr­ten nach Ungarn durch. Dabei sind jeweils umfangreiche Exkursionsberichte ent­standen und der Schulöffentlichkeit zugänglich gemacht worden, die die Ent­wick­lung in diesem Lande schrittweise verdeutlichen. Auch in Zukunft werden wird die spannenden Entwicklungen in Ungarn zum Anlaß weiterer Stu­dien­fahr­ten machen.

In diesem Zusammenhang ist es jedoch wichtig, daß auch von Lehrerseite her Neues wahrgenommen und fachlich aufgearbeitet wird: vor dem Lehren steht das eige­ne Lernen, umso mehr, als sich die Lage in Ungarn schneller ändert als es in der Fachliteratur nachgewiesen wird. Der persönliche Kontakt und die kon­kre­te Erfahrung im Lande selbst sind daher für eine sinnvolle Vorbereitung wei­te­rer Studienfahrten von großer Bedeutung.

Im Herbst 1991 bot sich dem Verfasser und dem Kollegen Lothar Nettelmann die Chance zur Teilnahme an einer wirtschaftsgeographischen Tagung der Uni­ver­­sität Budapest, die von unserem alten Freund und Kollegen, dem Leiter des wirt­schaftsgeographischen Institutes der Eötvös-Lorand-Universität, Prof. Antal Zoltán, zum fünfzigjährigen Bestehen des Lehrstuhles mit Gästen und Referenten aus Ungarn und Deutschland organisiert worden war. Neben Tagungsbeiträgen in meh­reren thematischen Sektionen, die in der Universität großen Zuspruch fanden und zu denen wir jeweils auch ein Referat beitrugen, wurde für die deutschen Gä­ste, einem exklusiven Kreis von zehn Personen vor allem aus dem uni­ver­si­tä­ren Bereich, eine intensive und bestens fachlich betreute geographische Exkur­sion durch Nordungarn angeboten, bei der das von Krisen heimgesuchte alte nord­ungarische Industriegebiet mit seiner Hütten- und Schwerindustrie in Ózd und Miskolc, der Glasindustrie in Salgótarján und der Aluminiumindustrie in Apc als differenziertes Beispiel für die sozioökonomischen, politischen und wirt­schafts­geographischen Determinanten der wirtschaftlichen Strukturtransformation und der Charakteristiken der Krisendynamik dienen konnte.

Gerade die gedrängte Folge von Firmen- und Branchenbeispielen ließen die Regel­haftigkeit des Krisenverlaufes, die strukturelle Vergleichbarkeit der Krisen­ur­sachen und andererseits die Differenziertheit möglicher Krisenlösungsstrategien sehr deutlich hervortreten. Die glänzende Exkursionsdidaktik, die wir Prof. Antal zu verdanken hatten, machte diese Exkursion für uns zu einer der auf­schluß­reich­sten Gelegenheiten, auch die strukturellen und zeitgeschichtlichen Grund­la­gen des Zusammenbruchs der "real existierenden sozialistischen Wirt­schafts­ord­nung" und der Probleme des Übergangs zu einer neuen, an marktwirt­schaft­li­chen Modellen orientierten Wirtschaft deutlicher zu erkennen und von politischen Phra­sen zu entkleiden.

Die Exkursionsergebnisse waren so aufschlußreich, daß wir uns entschlossen haben, die Notizen, die der Verfasser während dieser Veranstaltung gemacht hat, neu zu sichten und redaktionell lesbar zu machen, um sie auch anderen an Un­garn und an den Transformationsprozessen in Ost- und Südosteuropa inter­es­sier­ten Kolleginnen und Kollegen oder Schülern zugänglich zu machen und damit in den Schulalltag der Bismarckschule rückwirken zu lassen. Dabei kann uns der UNESCO­-Club der UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., durch die Aufnahme des Berichtes in seine Schriftenreihe helfen, da wir glauben, daß gerade auch die Mitglieder des UNESCO-Clubs besonderes Interesse an die­sen Ergebnissen, die ja letztlich Ausfluß der UNESCO-Arbeit unserer Schule sind, ha­ben können. Gleichzeitig wird damit der Sinn einer durch Schulleitung und Be­zirksregierung unterstützten und genehmigten Veranstaltung während der re­gu­lären Unterrichtszeit erfüllt, daß Fortbildungsveranstaltungen nicht nur der in­dividuellen Qualifikation dienen sondern positive Wirkungen auf den Fach­un­ter­richt und die pädagogische Arbeit der Schule nach sich ziehen sollen. In diesem Sinn sollen die nachfolgenden Exkursionsaufzeichnungen Anregungen und In­for­ma­tionen vermitteln und die nächste Ungarn-Studienfahrt vorbereiten helfen.

 

Exkursionen

2.9.91, Montag

Tatabánya -  Tata - Vértesszls [Fundort eines Urmenschen] - Traver­tin­ter­ras­sen und Steinbrüche - Weingut - Jurakalksteinbruch Tardosbánya - Esztergom [Ba­­silika] - Donautal bei Visegrád, Antezendenz, Probleme des Baustops am Was­ser­kraftwerk Gabci­ko­vo­/­Nagy­­maros

Die Bergwerks- und Steinbruchregion nordwestlich von Budapest

Der erste Exkursionstag galt dem Hügel- und Gebirgsland nordwestlich der Haupt­stadt Budapest. Der westliche, rechts der Donau gelegene Teil der Mil­lio­nen­stadt, Buda, liegt auf dem Hügelzug der Budaer Berge (Budai Hegyek) mit dem Gel­lertberg, dem Burgberg und dem Rosenhügel. Die Budaer Berge sind je­doch Teil und Ausläufer eines größeren Gebirgszuges, der sich westlich und nörd­lich um Budapest schmiegt und zwischen Esztergom und Visegrád im soge­nann­ten "Do­nauknie" in einem epigenetisch-antezendenten Taldurchbruch von der Do­nau durch­flossen wird, die damit die Verbindung zwischen der "Kleinen Tief­ebe­ne" (Kis­alföld) an der österreichisch-ungarisch-tschechoslowakischen Grenze, die sich im Süden zum Neusiedler See hinzieht, und der Großen Ungarischen Tief­ebene (Al­föld) südlich und östlich von Budapest herstellt.

Östlich der Donau zieht sich der Gebirgszug mit Cserhát, Mátra und Bükk als Un­garisches Mittelgebirge hin zum Karpartenbogen östlich des heutigen un­ga­ri­schen Staatsgebietes (Siebenbürgen, Rumänien). Das nördlich von Mátra und Bükk gelegene alte Industriegebiet an der slowakischen Grenze um Salgótarján, Ózd  und Miskolc wird Gegenstand der folgenden Exkursionstage sein.

Die geologische Geschichte dieses Gebirges ist detailliert und vielschichtig und kann hier nur in Hinblick auf die heutigen Lebens- und Nut­zungs­ver­hält­nisse angedeutet werden. Wichtig für die Wirtschaftsgeschichte Ungarns waren vor allem die Braunkohlevorkommen aus dem Tertiär sowie die mächtigen Traver­tin­ablagerungen, die im Zusammenhang mit der Hydrologie des Gebietes erklärt wer­den müssen. Der Quellreichtum förderte zudem die Besiedlung und land­wirt­schaft­liche Nutzung seit vorgeschichtlicher Zeit und die juvenilen, z.T. leicht ra­dio­aktiven vulkanischen Mineralquellen sind in vielen Orten am Rande des Un­ga­ri­schen Mittelgebirges einschließlich Budapests selbst seit der Antike Grundlage für Heilbäder und Badeurlaub.

Der Gebirgsstock stammt in seinem Kern aus dem Trias. Die tertiären Schol­len­bewegungen zerbrechen das Gebirge mit deutlichen tektonischen Bruchlinien in einzelne Horste - auch der Donaudurchbruch folgt einer solchen tektonischen Li­nie - und aktiviert vulkanische Tiefenbewegungen. Im Miozän und Oligozän la­gert das Pannonische Meer mächtige Kalksedimente ab. Den sattelförmigen Ver­for­mun­gen der Kalke folgt der Grundwasserspiegel, so daß in Talanschnitten in ver­schie­denen höher gelegenen Quellhorizonten mineralreiches Wasser austritt und im Laufe der Zeit mächtige Sinterterrassen ablagerte.

Solche am Hang gelegenen Sinterterrassen an Quellen wurden zu Lagerstätten und Lebensräumen von steinzeitlichen Urmenschen, deren Knochen und Artefakte in der Gegend von Tata gefunden worden sind. Der Paläontologe Prof. Dr. Vértes László untersuchte eine nach ihm benannte Fundstelle, Vértesszölös, wo auf einer Tra­vertinterrasse aus dem Günz-Mindel-Interglazial in mehreren Fundschichten zwi­schen mindestens 350.000 bis etwa 50.000 Jahren vor unserer Zeit die vor­zeit­li­che Ent­wicklung des Menschen beobachtet werden kann. Die ältesten Kno­chen­fun­de sind damit etwa 100.000 Jahre jünger als der Homo Heidelbergensis. Die wich­­tig­sten Funde wurden in den sechziger und siebziger Jahren gemacht. In­ter­essant sind dabei auch die versteinerten tierischen und urmenschlichen Fuß­spu­ren um eine Wasserstelle herum, die heute im paläontologischen Frei­licht­mu­se­um von Vér­tes­szölös besichtigt werden können.

Auch der Kurort Tata verdankt seine Entwicklung den Heil- und Karstquellen am Rande des Hügellandes. Ein Sommerschlößchen der Grafen Eszterházy ist heu­te Ausflugslokal in einer großen Parkanlage am Ufer eines künstlichen Sees, der von den Karstquellen gespeist wird. Der Bergbau im benachbarten Tatabánya hat je­doch im Laufe der Jahre zu einer beträchtlichen Grundwasserabsenkung ge­führt, die z.T. aus bergbaulichen Gründen durch massives Abpumpen noch ver­stärkt wurde, was erheblich ökologische Schäden im Tal von Tatabánya bewirkt hat und die meisten Quellen rund um Tata versiegen ließ.

Tatabánya, aus drei Siedlungskernen als Bergbausiedlung zu­sam­men­ge­wach­sen, hat heute Tata in Größe und Bedeutung überflügelt und ist Komitatssitz ge­worden. Die Autobahn- und Eisenbahnachse Wien-Budapest verbindet Tatabánya gün­stig mit Budapest. Entlang dieser Magistrale finden sich neuere Siedlungs- und industrielle Wachstumskerne. Der unmittelbare Einfluß der Konurbation Buda­pest läßt sich bis etwa Budaörs feststellen. Dieser ehemals von deutschstämmigen Donau-Schwaben besiedelte Ort hat sich vor allem auf Gemüse- und Obstproduk­tion für den Budapester Markt spezialisiert. Seit dem letzten Jahrhundert wird an den Hängen auch Wein angebaut. In letzter Zeit spielt die intensive Schwei­ne­mast eine größer werdende Rolle. Auf umgelagerten Lößlehmböden werden heute ca.-45-% der LNF mit Futterpflanzen bestellt. Auch hier spielt die Nähe des Buda­pester Absatzmarktes eine entscheidende Rolle. Jüngere Wandlungen des Orts­bildes verursachen flächenintensive Gewerbeansiedlungen, Großmärkte und Lager­hallen, die aus dem Großraum Budapest an die Peripherie der Konurbation wandern.

Der Bergbau von Tatabánya geht, nachdem 35-40-% der Braun­kohlen­vor­kom­men abgebaut sind und die hydrologischen Folgeschäden einen weiteren Eingriff in den Grundwasserhaushalt verbieten, seinem Ende entgegen, vor allem da sogar Aus­­wirkungen auf die Trinkwasserversorgung von Budapest befürchtet werden. Die Schließung der Bergwerke und der Zementfabrik haben die Arbeitslosigkeit in Tata­bánya anwachsen lassen. Der Maschinenbau in Zweigwerken Budapester Fir­men beschäftigt Ende 1991 noch ca. 6000 Arbeiter, doch bedroht die allgemeine Wirt­schaftskrise auch diesen Wirtschaftszweig.

Interessant sind schließlich norwestlich von Tata die ausgeprägten, mächtigen Tra­­vertinterrassen, die sich von einem quellenreichen Gebirgssporn aus in west­li­cher Richtung in das Donautal erstrecken. Die Travertinterrassen entstanden in den feuchteren Perioden seit Ende des Tertiär vor allem im Frühpleistozän. Aus­ge­hend von teritären Kalkplatten, die zur Donau hin verworfen sind, finden sich außer spärlichen Resten spättertiären Travertins sieben pleistozäne Tra­ver­tin­ter­ras­sen mit Bankmächtigkeiten von teilweise über zwanzig Metern. Zwi­schen­ge­la­gert sind Löß-, Lehm- und Sandschichten aus den fossilen Talböden der Donau.

Der Abbau des Travertins, der ein exellentes Baumaterial ist, erfolgt seit der Römer­zeit. Die auf äußere Repräsentation bedachte Ausbauphase der ungarischen Städte von Budapest bis Esztergom nutzte diesen Travertin zusammen mit den in der Nähe abgebauten lachsroten Sandsteinen von Tardosbánya für ihre Groß­bau­wer­ke. Die farbliche Harmonie der städtebaulichen Ensembles ist vor allem auf die­­ses einheitliche Baumaterial zurückzuführen, dem wir am gleichen Tage noch bei der Dom­basilika von Esztergom wieder begegnen werden.

Doch sollte schon hier auf einen weiteren wertvollen Rohstoff hingewiesen wer­den, der im Westen der Dunazug-Hügel zwischen Tatabánya und dem Donautal ab­gebaut wird: dem der Aluminiumproduktion zugrunde liegenden Bauxit (Ton­erde). Die Aluminiumgewinnung und -verarbeitung spielt für die ungarische Wirt­schaft eine positive Rolle, wie wir im Zusammenhang mit der Aluminiumgießerei Apc noch erläutern werden. Doch die Energiearmut des Landes macht eine Ver­ar­bei­tung in Ungarn problematisch. In den letzten Jahrzehnten behalf man sich im Rah­men der RGW-Kooperation damit, Die Tonerde zur Elektolyse in die Sow­jet­union zu transportieren und die Rohaluminiumbarren zu reimportieren. Dieser Ver­arbeitungs(um-)weg ist durch den Zusammenbruch des RGW und die Wirt­schafts­krise in Rußland heute abgebrochen. Ein gangbarer neuer Weg ist noch nicht gefunden; für eine Energie-(Strom-)einfuhr fehlen Ungarn die Devisen, so daß die Aluminiumindustrie in eine existenzielle Krise geraten ist.

Der ursprünglich geplante Ausweg aus der Energiekrise durch den Bau des Donau­kraftwerkes Nagymaros wurde aus Gründen des Umweltschutzes aufgege­ben, während die tschechoslowakische Kraftwerkstaustufe von Gabci­ko­vo­ gerade jetzt Anfang Juli 1992 in Betrieb genommen wurde. Der Verdacht, daß neben öko­lo­gischen Gründen auch Fragen der politischen Akzeptanz und der akute De­vi­sen­mangel des Landes für die Baueinstellung von Nagymaros eine Rolle gespielt ha­ben, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, doch bleibt das Ergebnis be­ste­hen, wie wir bei Visegrád selbst sehen konnten, daß auf ungarischer Seite der in­ternationale Bauvertrag storniert wurde und eventuell sogar noch Kon­ven­tio­nal­strafen an die österreichischen und tschechischen Partner fällig werden. Die in Ungarn erzeugte elektrische Energie reicht heute keineswegs, die wirt­schaft­li­che Entwicklung zu sichern; Devisen für den Stromzukauf sind ebenfalls nicht vor­­handen: für Ungarn bleibt nur die Hoffnung auf ein Wunder - eine typisch un­­garische Hoffnung!

3.9.91, Dienstag

Konferenztag in Budapest

4.9.91, Mittwoch

Konurbation von Budapest - Apc [Leichtmetallgießerei] - Hollók [Dorfmuseum] - Sal­gótarján [Glas­fa­brik und ungarisch-japanische Glaswollenfabrik] - Ózd 

Konurbation Budapest:

Über die Entwicklung der Stadt und Stadtregion Budapest wäre an anderer Stel­le Eingehenderes auszuführen. Budapest ist ein Thema für sich. In unserer Un­tersuchung der nordungarischen Kultur- und Industrielandschaft mit ihrem Schwer­punkt, die ökonomische Transformationskrise in einem ehemaligen RGW-Land am regionalen Beispiel darzustellen, um damit zu allgemeineren Einsichten über ökonomische Entwicklungsprozesse und die dabei zu beobachtende Kri­sen­dy­namik zu gelangen, spielt Budapest nur als Entwicklungspol und in das Um­land hinein wachsende Agglomeration ein Rolle. Dieser Aspekt kann mit einigen we­nigen Daten umrissen werden:

1950 vergrößert sich Budapest durch Eingemeindungen von 14 auf 22 Stadtbe­zir­ke; doch die gravierenden Infrastrukturprobleme vergrößern sich wei­ter, und bis

1988 wächst die Agglomeration über diese Grenzen weit hinaus. Nebenzentren bil­den sich an den Metró-Endstationen und HÉV-(Vorortbahn-)Stationen.

      200.000 Pendler benutzen täglich vor allem die öffentlichen Verkehrsmittel nach Budapest, deren Zahl in der Wirtschaftskrise etwas zurückgegangen ist; andererseits wächst der individuelle Motorisierungsgrad, so daß es  zu einer chronischen Über­lastung der Einfallstraßen kommt. Die Wirtschafts­kri­se mit dem Ende der sozialistischen Staatsordnung bremst den Wachs­tums­prozeß der Stadt kaum; ihre ökonomische Dominanz wird eher noch stär­ker. Doch kommen zu den strukturellen nun auch die sozialen Krisen­erscheinungen hinzu.

1990 gibt es ca. 20.000-Arbeitslose in Budapest mit wachsender Tendenz. Vor allem liegt das an der Krise der Großbetriebe (Csepel, Ikarus), die auf die Zu­lieferbetriebe in der Provinz ausstrahlt. Das Ende des RGW bringt z.B. der Autobusfabrik Ikarus den Konkurs. Dadurch, daß Budapester Firmen in der Provinz Filialen gegründet haben, Ikarus z.B. vier Zweigwerke, ver­la­gert sich die Krise in die Provinz.

Westlich der Konurbation Budapest gelangen wir im Vorland der un­ga­ri­schen Mit­telgebirge in einen traditionelle Agrarraum, in dem sich entlang der Ver­kehrs­li­nie nach Osten in Richtung Miskolc, Debrecen und der Ukraine erste in­du­stri­elle Wachstumszentren gebildet haben. Ausläufer des nordungarischen Hü­gel­lan­des südlich von Mátra und Bükk (Küstenbildungen des Pannonischen Mee­res En­de des Tertiär). Am Nordrand der ungarischen Tiefebene (Alföld) bei Hat­van wer­den auf Tschjernosom-Böden (Schwarzerde) intensiv Zuckerrüben, Mais und To­-maten angebaut. In Hatvan befindet sich eine Zuckerfabrik und Kon­ser­ven­in­du­strie. Gödöllbesitzt eine Agraruniversität. Im Tal der Zagyva sind dagegen we­ni­ger fruchtbare braune Waldböden und Flußablagerungen (Alluvione) zu finden.

Das Zagyva-Tal und die Ausläufer des Cserhát

Das westlich anschließende Cserhát-Hügelland ist im Verlauf des Zagyva-Tales durch eine tektonische Bruchzone vom vulkanischen Block des Mátra getrennt. Die Andesitvorkommen im östlichen Cserhát gehören genetisch noch zum Mátra-Vul­kan aus dem Miozän bis Oligozän. Die Bruchzone erscheint als "tektonisches Becken" und wird als "Brücke des Mátra" bezeichnet. Das Gebiet ist dicht be­wal­det; bis in 500 m Höhe finden sich Eichenwälder, bis ca. 900 m Mischwald. In die­ser abgelegenen Gegend hat sich ein altes nicht-magyarisches Volkstum an der Grenze zur Slowakei erhalten. Der periphere Agrarraum war gekennzeichnet durch Abgeschiedenheit und Armut. Inzucht und Debilität waren häufig. An­de­rer­seits haben sich hier Volksbräuche und Volkstrachten erhalten, die für die Volks­kunde wichtig sind. Das sorgfältig restaurierte Dorf Hollókwird als Mu­se­ums­dorf im Rahmen des UNESCO-Projektes "kulturelles Welterbe" erhalten. Das Straßen­dorf besteht aus Holzhäusern, die mit tschechischen Holzschindeln ge­deckt und mit kunstvollen Giebelmustern und Schnitzereien geschmückt sind. Auf einer randlichen Kuppe - einem herauspräparierten vulkanischen Andesitgang - be­findet sich die Ruine einer Burg, die ehemals zur Sicherung gegen slowakische Auto­no­miebestrebungen errichtet worden war.

Die günstige Verkehrslage an der Hauptstraße von Budapest nach Miskolc er­mög­licht Ansätze von Industrie- und Gewerbeansiedlung, obwohl die Land­wirt­schaft noch dominiert. Von Hatvan aus nach Norden im Tal der Zagyva führt die Straßen- und Eisenbahnverbindung nach Salgótarján und in das nordungarische In­dustrierevier. Die Infrastruktur ist jedoch noch wenig entwickelt und von man­gelnder Leistungsfähigkeit. Das Elektrozählerwerk von Gödöllist heute ein »joint-venture«-Betrieb. Dieser Betriebsform, bei der ausländische Investoren ge­mein­sam mit ungarischen Unternehmen (in Privat- wie auch in Staatsbesitz) ge­mein­same Firmen gründen oder bestehende in Kapitalgesellschaften der Rechts­for­men GmbH oder AG umwandeln, werden wir noch mehrfach begegnen. Sie ist für die Ungarische Wirtschaft in der Systemtransformation typisch geworden und funk­tioniert hier deutlich besser als z.B. in Polen. Der ausländische Investor kann dabei eine qualifizierte Mehrheit am Betrieb halten. Die Grundlage legten die neuen Wirtschaftsgesetze, die einen freien Waren- und Arbeitsmarkt sichern und auch den Kapitalmarkt schon weitgehend liberalisiert haben. Der ungarische Fo­rint wird schrittweise konvertibel gemacht und bisherige Geld­markt­ein­schrän­kun­gen und Kontrollen fallen nach und nach. In der Zusammenarbeit mit in­ter­na­tio­nalen Investoren sieht Ungarn eine Chance, den extremen Kapitalmangel zu be­he­ben und durch Investitionen Anschluß an die Weltmarktentwicklung zu er­hal­ten. Daß damit auch die politischen und sozialen Probleme des markt­wirt­schaft­li­chen Kapitalismus in Ungarn Eingang finden, zeigt sich sehr deutlich und ist auch in Ungarn mit Sorge erkannt worden. Doch scheint nach dem Zu­sam­men­bruch des RGW und des östlichen Marktes der ungarischen Industrie und an­ge­sichts der politischen Liberalisierungsbestrebungen der Ungarn selbst kein Weg an dieser Systemtransformation vorbei zu gehen.

Der größte »joint venture« ist heute der Elektro-Konzern Tungsram an dem sich General Electric beteiligt hat. Sogar ehemalige Rüstungsbetriebe werden vom un­garischen Staat privatisiert und in joint ventures eingebracht, wie z.B. die Elek­tro-Werke von Székesfehérvár (Laser, Radar, CD-Speicher). Auch die tra­di­tions­reiche Waggonfabrik Ganz ist verkauft worden und betreibt im Verbund mit einer englischen Firma weiter Waggonbau. Die größte Kommunalbusfabrik der Welt, Ikarus, sollte in ein internationales »joint venture« eingebracht werden. Eine private russische Beteiligung scheint jedoch nicht seriös und eher auf das Aus­plündern der Firmenanlagen gerichtet zu sein. Eine Firmenliquidation liegt im Be­reich des Möglichen. Die Firma hat 1991 Konkurs angemeldet und ihre Pro­duk­tion eingestellt, was, wie wir sehen werden, negative Auswirkungen auf eine große Zahl von Zuliefererbetrieben hat.

Die Privatisierung im Dienstleistungs- und Infrastrukturbereich ist zwar eben­falls angestrebt, ist jedoch wegen mangelnder Gewinnaussichten pro­ble­ma­ti­scher. Besondere "Altlasten" sind durch den Abzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn entstanden. Auf den Militärflughäfen z.B. wurden zwar die tech­ni­schen Einrichtungen demontiert. Die großen Flächen der Truppenübungsplätze, Ka­sernen und Flughafeneinrichtungen wurden jedoch nicht in einen ge­brauchs­fä­hi­gen Zustand zurückversetzt. Vor einem Umbau zu Privatflughäfen und der zi­vi­len Nutzung sonstiger ehemals sowjetischer Militärflächen sind tiefgreifende Um­weltverschmutzungen zu beseitigen. Für das ohnehin stark reduzierte un­ga­ri­sche Militär sind diese vor allem strategisch gegen Westen gerichteten Anlagen ohne­hin nicht zu nutzen und in der neuen weltpolitischen Lage funktionslos ge­wor­den. Auch diese Flächen sollen wieder industriell in Wert gesetzt werden, wo­bei man auch hier auf internationales Kapital hofft.

Das Hauptproblem ist jedoch, daß parallel zur Firmensanierung der einzelnen »joint ventures« umfassende Strukturinvestitionen in der ungarischen Volks­wirt­schaft notwendig sind, um einen integrierten Binnenmarkt aufzubauen. In­ve­sto­ren brauchen dabei "einen langen Atem" und können kaum mit einer kurz­fri­sti­gen Rendite rechnen, was Investitionen in Ungarn vor allem für internationale Groß­konzerne mit langfristigen Marktperspektiven interessant macht - mit allen da­mit verbundenen politischen Problemen. General Electric, Suzuki und Quel­le/Schickedanz sind Beispiele für in Ungarn besonders aktive Investoren. Gerade Ja­pan hat die langfristigen Chancen des Standortes Ungarn für einen zu­künf­ti­gen großeuropäischen Markt unter Einschluß von EG und dem ehemaligen RGW-Be­­reich erkannt und ist mit vielfältigen Investitionen auf dem ungarischen Ka­pi­tal­­markt präsent.

Aluminium-Gießerei Apc:

Die Betrieb »QUALITAL« nördlich von Hatvan ist die bislang größte Alu­mi­ni­um-Gießerei Ungarns mit einem Produktionsvolumen von 22-25.000-t legierten Alu­miniumblöcken und 2500-t Fertigguß aus der Formgießerei. Kleinere Be­triebs­tei­le fertigen Schweißpulver für die Schienenschweißerei und zum Schweißen von Be­toneisen sowie Magnesium-Verbindungen als Korrosionsschutz z.B. für Heiß­was­ser­behälter. Das Magnesium muß importiert werden. Abnehmer für die Teile­fer­ti­gung war bisher vor allem die Automobilindustrie, wie Ikarus oder Rába/Györ.

Der Betriebsleiter Szabó Imre berichtet, daß das Werk vor dem Zweiten Welt­krieg als privater Betrieb der Eisenmetallurgie gegründet worden ist. Eine Halle, die 1940 von der Fa. Mannesmann errichtet wurde, wird heute noch genutzt. Die Pro­duktion konnte erst nach dem Krieg aufgenommen werden. Einige Jahre lang un­mittelbar nach dem Krieg konnte die Halle nur als Lager genutzt werden. Im Wirt­schaftsplan 1947-48 wurde der Be­trieb fertiggestellt. In einem Kontrakt mit der BRD wurde wiederum Mannesmann mit der Fertigstellung beauftragt; gleich­zei­tig wurde bei Ózd ein kleineres Röhrenwerk für längsgeschweißte Röhren auf­ge­baut. Die Anlagen aus Apc wurden dann aber auf die Csepel-Insel in Budapest ver­bracht. Nach kurzem Leerstand der Anlage wurde Mit­te der 60er-Jahre eine Gieße­rei der Csepel-Werke aus Budapest hierher verlegt.

Es erfolgte eine Umstellung zu einer Gießerei von Aluminium-Schrott. Nach dem Bau von zwei neuen Hallen konnten 1400-1500 Arbeiter beschäftigt werden. Mitte der 80er-Jahre begann eine Umstrukturierung, die mit einer Loslösung von der Mutterfirma Csepel verbunden war. Der Betrieb wurde zunächst der Außen­han­delsorganisation "Metalloglobus" zugeordnet, später aber ganz selbständig.

Die Firmengeschichte zeigt sehr deutlich die problematische Standortsituation, die von sich aus wenig positive Standortbedingungen zu bieten hat und daher wech­seln­de, von der jeweiligen Firmenpolitik gesteuerte Nutzungen nach sich zog. Diese star­ke Abhängigkeit von wirtschaftlichen Entwicklungen, die in Buda­pest oder so­gar vom Weltmarkt aus gesteuert und lokal kaum zu beeinflussen sind, ist ein ty­pisches Merkmal eines peripheren Wirtschaftsraumes, wie er sich uns in Nord­un­garn darstellt.

Die heutige Firmenstruktur umfaßt mehrere unabhängige GmbHs, an denen z.T. ausländisches Kapital (z.B. aus Österreich) in Form von joint ventures be­tei­ligt ist. Am Gesamtbetrieb ist die ungarische Handelsorganisation MINERALIMPEX mit 30-% Hauptaktionär, doch die österreichische Beteiligung soll mit der Zeit bis zu 51-% Mehrheit erhalten.

Die Daten zur Produktion 1991 zeigen einen typischen Krisenverlauf: Der bis­he­rige Exportanteil von 35-% steigert sich durch die Krise des bisherigen Haupt­ab­­nehmers Ikarus, für den bisher ist noch kein Ersatz gefunden ist, auf ca. 70-% bei Fertigteilen mit Abnehmern in Österreich, Deutschland, Italien und Eng­land bei gleichzeitigem starken Rückgang der Gesamtproduktion. Aluminiumblöcke ge­­hen nach Japan. Durch die geringere Gesamtproduktion in der Wirtschaftskrise kön­­nen nur noch ca.-1/3 der Produktionskapazitäten genutzt werden. Positiv ist je­­­doch der vergrößerte Außenhandelsanteil aus betrieblicher Sicht in Hinblick auf die eingenommenen Devisen, über die der Betrieb heute selbst verfügen kann. Aber die Verkaufspreise für Aluminiumfertigprodukte werden auf dem Weltmarkt im­­mer niedriger. 1991 war der Ankaufspreis für Aluminium-Schrott mit 80-ft./kg hö­­­her als der Verkaufserlös für verarbeitetes Aluminium mit 65-ft./kg. In­län­di­sche Abnehmer und Kunden aus dem ehemalige RGW-Bereich waren zudem nicht zah­­­lungsfähig. Bankkredite sind nur noch für gesicherte Exporte in Hart­wäh­rungs­­länder zu erhalten, während die inländische Produktion keine ausreichende Sicher­­heit mehr bietet.

Ein weiteres Hauptproblem liegt in der Rohstoffversorgung. Bisher wurde neben 60-% Aluminium-Schrott aus Ungarn vor allem 40-% Primär-Aluminium aus der Sowjetunion verarbeitet, was zur Qualitätssicherung notwendig ist. 1990 wur­den aber nur noch 2000-t Primär-Aluminium aus der Sowjetunion importiert, 1991 wur­de die Lieferung ganz eingestellt, so daß nur noch die eigenen Vorräte auf­ge­braucht werden konnten. Der Betrieb ist dadurch in eine ernste Krise ge­ra­ten. Das Abkommen mit der UdSSR ist wirkungslos geworden, daher besteht Roh­stof­f­man­gel. Das im nördlichen Donautal geförderte Bauxit (Tonerde) wurde wegen des un­­garischen Energiemangels bisher in die Sowjetunion, z.T. ins Donbas, trans­por­tiert, dort elektrolytisch verarbeitet und als Rohaluminium zur Wei­ter­ver­ar­bei­tung nach Un­garn zurück gebracht. Dieser unökonomische Transportaufwand war nur durch die RGW-Rohstoffpreis-Verrechnung möglich. Auf Devisenbasis ist er nicht mehr rea­lisierbar. Ungarn ist daher derzeit auf die Wiederverarbeitung von Alt­-Alu­mi­ni­um, das z.T. eingeführt werden muß, angewiesen. Das gleiche gilt in der Stahl­ver­­arbeitung, wo die Rohstahlimporte aus der UdSSR ausgefallen sind und nur noch Schrott aufgeschmolzen werden kann (siehe Ózd). Bislang wurden 16.000-t reines Aluminium pro Jahr aus der Sowjetunion geliefert, die jetzt durch Alu­mini­um­-Schrott minderen Reinheitsgrades ersetzt werden müssen, was Pro­duk­tions­­pro­bleme ergibt.

Die Folge ist ein Personalabbau um 500 Beschäftigte auf jetzt ca. 1000 Be­schäf­tig­te, wobei durch Betriebsvereinbarungen und Renten versucht wurde, die­se Maßnahme sozial verträglich zu gestalten. Das hat Folgen für die ganze Re­gion, da die Beschäftigten der Gießerei aus einem Umkreis von ca. 30 km ein­pen­deln. Die minimalen Einnahmen im ersten Halbjahr 1991 zogen Finan­zie­rungs­pro­ble­me und erhöhte Verschuldung nach sich.

Wie sieht die Zukunft der Aluminium-Industrie in Ungarn aus? Es muß eine durch­greifende Modernisierung erfolgen. Nur mit bester Qualität ist auf dem Welt­markt zu bestehen. Seit 1-½-Jahren ist eine neue unabhängige Qua­li­täts­kon­trol­le eingerichtet worden, deren Maßstäbe sich an westlichen Standards orien­tie­ren. Andererseits ist bei dem erfahrungsgemäß stark schwankenden Preis­in­dex für Aluminium-Produkte auf dem Weltmarkt der derzeitige Tiefstand wohl bald über­­wunden, so daß wieder bessere Preise erzielt werden können. Dabei sind aber auch günstigere Zollregelungen für den Handel mit den EG-Ländern er­for­derlich.

Salgótarján:

Salgótarján ist ein alter Industrieort, dessen Ursprünge in Verbindung mit der böhmisch-slowakischen Glasbläserei zu sehen sind. Auf der Basis von Holz­koh­le aus den umliegenden Wäldern und einem Braunkohlevorkommen findet sich hier im 19. Jh. auch eine frühe Erzverhüttung, die auf Roheisen aus der nörd­li­chen Slo­wakei zurückgreifen konnte. Wir finden hier einen der ältesten Stand­or­te der un­garischen Stahlindustrie. 1871 begann die Walzstahlherstellung. Um 1890 geht das Stahl- und Walzwerk nach Ózd, wo es günstigere Standortbedingungen fin­­det; dort befindet sich seit 1890 der Sitz und Produktionsschwerpunkt der Ak­­tien­gesellschaft. In Salgótarján verbleibt noch ein Kaltwalzwerk zur Draht- und Stahl­bandherstellung.

Die metallverarbeitende Industrie konnte sich an diesem peripheren Standort letzt­­lich nicht halten. Als Reste der metallverabeitenden Industrie findet sich in Sal­­gótarján noch eine Eisengießerei, in deren Elektroöfen spezielle Silizium-Eisen-, Molyb­dän- und Wolframstahl-Legierungen erzeugt werden. Dabei wird für relativ klei­­ne Produktionsmengen ein hoher Energieaufwand benötigt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Braunkohle zu Generatorgas verarbeitet. In den 60er­-Jahren wurde Salgótarján durch eine Pipeline an die Erdgasversorgung aus dem Alföld angeschlossen. Das Braunkohlekraftwerk arbeitet heute ausschließlich als Heizkraftwerk, während die Industrie das Erdgas nutzt.

Die günstige Energieversorgung förderte aber vor allem die Entwicklung der Glasindustrie, die auf eine ältere Glasbläserei und Glasflaschenfabrik zu­rück­zuführen ist. Veraltete Technologien förderten bis vor Kurzem jedoch die Ener­gie­­ver­schwen­dung.  Für qualitativ anspruchsvolle Gläser muß heute zudem Sand aus der Re­gion Szekesfehérvár transportiert werden. Der Standort ist durch sei­ne ab­ge­le­ge­ne Lage belastet und von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung teil­weise ab­ge­koppelt, der ehemalige Rohstoffvorteil ist verloren gegangen, seit­dem auch die Ener­gie herangeführt werden muß.

Zwei ökonomisch verwandte, aus der gleichen industriellen Wurzel entwickelte Be­triebe bestimmen heute das wirtschaftliche Bild Salgótarjáns: die Flach­glas­fa­brik und die ungarisch-japanische Glaswollefabrik. Der Firmensekretär der Glas­fa­brik erläutert die ökonomische Entwicklung des Werkes und des Standortes: Die heutige Firma wurde 1893 gegründet und spezialisierte sich später auf die Er­zeugung von Fahrzeugglas. In Ungarn gibt es derzeit zwölf Glashütten mit spe­zialisierten Produktionsprofilen. 1990 erzielte der Betrieb einen Umsatz von 1,5-Mrd.-ft. Durch den Zusammenbruch der Exportverbindungen in die ehemalige Sow­jetunion 1990/91 ist der Betrieb in eine existentielle Krise geraten.

Der Zusammenbruch des RGW stellt Herausforderungen an die Pro­duk­tions­qua­­lität. Bislang wurde billiges, qualitativ geringwertigeres Glas und Glas zweiter Wahl in die RGW-Länder exportiert. Dieser Markt ist nicht mehr vorhanden. Gleich­zeitig ist der Abnehmer Ikarus, der bisher mit ca. 1,5 von 2-Mrd.-ft. am Be­­triebsergebnis beteiligt war und große Serien standardisierter Automobilgläser ab­nahm, ausgefallen, so daß heute wirtschaftliche Chancen nur noch in der spe­zia­lisierten und weltmarktorientierten Hochqualitätsfertigung gesehen werden.

Die Krise des Betriebes wurde dadurch verschärft, daß neue Technologien erst beim Eintreten der Krise verspätet eingeführt worden sind, da nach den bis­herigen RGW-Maßstäben das Qualitätsniveau als gut eingestuft worden war. Zwar gibt es keine besonderen restriktiven Zollschranken für den EG-Bereich, doch ist der europäische Markt traditionell unter den großen Glasherstellern oli­gar­chisch aufgeteilt. Nur in eng begrenzten Marktnischen ist derzeit noch Absatz für Flachglas erfolgreich, z.B. bei Bilderrahmengläsern. So sind Mas­sen­ent­las­sun­gen notwendig geworden, die in dem strukturschwachen Raum Salgótarján be­son­ders schmerzhaft sind. 1989 begann der Personalabbau um ca. 10-%. 1990/91 sank die Zahl der Beschäftigten stufenweise  von ca.-2000 auf heute ca.-1100 zum 1.8.91. Dabei wurden den Entlassenen Abfindungen bis zu 1-Mio.-ft. gezahlt. Im Be­­zirk Salgótarján gibt es heute über 10.000 Arbeitslose und kaum neue Ar­beits­plätze.

Die ökonomische Erneuerung der Firma wird aber zielstrebig durchgeführt, in­dem sie als eine der ersten zwanzig Firmen in Ungarn in Form einer AG pri­va­ti­siert wur­de. Gleichzeitig wird in neue Technologien investiert, und in Süd­ost­un­garn wur­de am 4.9.91 ein Zweigwerk mit neuer Fertigungstechnologie eröffnet. Der Pro­duktionsschwerpunkt liegt heute auf Spezialgläsern zur Wärme- und Strah­­­lungs­isolierung, industriellen Sicherheitsgläsern und der Weiterverarbeitung von Plat­tenglas. Der Servicebereich wird dabei besonders ausgebaut. Die Pri­va­ti­sie­­rung hat jedoch einige Rückschläge erlitten. Zunächst gehörte der Betrieb zur "Grup­­pe der 20"-Betriebe, die in Art eines Pilotprojektes mit staatlicher Un­ter­stüt­zung ab Herbst 1990 bis 1992 privatisiert werden sollten. Mit finanzieller Un­ter­­stützung sollten sie sich einer Konzernstruktur anschließen. Dafür war auch schon ein westlicher joint-venture-Partner gefunden. Doch entschied man sich dann aus betriebswirtschaftlichen Gründen für eine dezentrale Privatisierung, wo­bei der westliche Partner absprang und bei einem Konkurrenzunternehmen in der CSFR investierte.

Die Raumwirksamkeit des Krisengeschehens

Auch am Beispiel des Ortes Salgótarján kann eine deutliche Periodisierung der ökonomischen Entwicklung aufgezeigt werden. Bis zum zweiten Weltkrieg war der eher dörfliche Charakter des Ortes und seine geringe ökonomische Dif­fe­ren­zie­rung ein Anzeichen für eine standortfaktoren-, d.h. auch rohstoffnahe eher klein­betrieblich-handwerkliche Fertigung, die im Vergleich zu Mitteleuropa früh­in­dustrielle Züge trug. Der ökonomische Rückstand Ungarns, durch seine po­li­ti­sche Geschichte bedingt, prägte auch die wirtschaftliche Struktur des nord­un­ga­ri­schen Industrierevieres, das zudem nach dem ersten Weltkrieg durch die neue Grenz­­ziehung von den nördlichen slowakischen Ergänzungsräumen abgeschnitten wur­de. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine zentral gesteuerte Wach­stums­phase, die für Salgótarján vor allem einen großen Absatzmarkt von Bauglas für den forcierten städtischen Wohnungsbau bedeutete. Auch der Ort selbst erfuhr eine rapide Umgestaltung, der die ehemals dörflichen Strukturen in den fünf­zi­ger Jahren nahezu vollständig beseitigte und ein standardisiertes städtisches Neu­­baubild in Plattenbauweise und mit synthetischem Ortszentrum (Kaufhaus, Kul­­turhaus, sozialistische Massenorganisationen) erzeugte. Die Bevölkerungszahl wuchs, da das Firmenwachstum neue Arbeitsplätze schuf. In den siebziger Jah­ren wur­de dann das Schwergewicht auf die Autoglasproduktion für Ikarus ge­legt. Die Großinvestitionen waren nach zwei bis drei Jahren rentabel, so daß der Be­trieb mit Gewinn arbeiten konnte. Doch wurden während dieser Zeit die Ge­winne vom Staat abgezogen und die notwendigen technologischen Innovationen und Re­in­vestitionen versäumt, so daß sich die heutige Wirtschaftskrise schon hier struk­turell vorbereitete.

Der technologische Rückstand wurde deutlich, als am westlichen Standard ori­entierte neue Isoliernormen bei Fensterglas wie bei Automobilglas eingeführt wur­den und von der Firma eingehalten werden mußten. Die jetzt erfolgenden In­no­vationsinvestitionen konnten schon nicht mehr aus dem Gewinn bezahlt werden, son­dern führten zu einer Verschuldung des Betriebes. Es besteht derzeit aber die Hoffnung auf den neuen Großkunden Suzuki, der ein Montage- und Fer­ti­gungs­werk für den europäischen Markt in Ungarn gegründet hat und ver­trag­lich verpflichtet ist, über 50 % der Zulieferungen aus ungarischer Produktion zu neh­men, wozu auch das Automobilglas gehören wird.

Der Charakter der Krise

In diesem Zusammenhang ergeben sich auch grundsätzlichere Fragen nach dem Charakter der Krise und den Reaktionen in der Bevölkerung und bei den Ar­beitnehmern. Zwar sind auf betrieblicher Ebene keine auffälligen Ver­hal­tens­än­de­rungen zu beobachten, doch herrscht Angst vor der drohenden Ar­beits­lo­sig­keit. In der ärmeren Bevölkerung besteht die Gefahr einer dauerhaften Ver­elen­dung, so daß der Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt größer wird. Geld wird tra­ditionell vor allem in Immobilien angelegt wie z.B. in Eigenheimen, die nicht kurz­fristig zu liquidieren sind. Was für die gesamte Wirtschaft Ungarns typisch ist, gilt auch für den Einzelnen: es gibt kaum verfügbare Rücklagen und Er­spar­nisse. Der ökonomische Druck erzeugt Opportunismus. Das gilt auch für die Be­triebe, die sich oft mehr als unabdingbar an politischen Rücksichtnahmen ori­en­tierten; es gab und gibt wenig selbständige Krisenlösungskonzepte. Die not­wen­dige marktwirtschaftliche Risikobereitschaft wird durch mangelnde Rücklagen und Reserven stark behindert.

Es gilt hier wie in anderen Wirtschaftsbereichen Ungarns im längerfristigen öko­nomischen Konzept die traditionellen Märkte im Osten z.B. in den Nach­fol­ge­staa­ten der UdSSR nicht aufzugeben, wenn auch angesichts der Krise für einige Zeit keine Wachstums- und Gewinnaussichten bestehen. Doch sind die traditionell ent­wickelten Kontakte in Zukunft ein Marktvorteil gegenüber neu auf den Markt drän­genden westlichen Mitbewerbern.

Das von der Glasfabrik kürzlich abgetrennt Glaswollewerk ist ein japanisch-un­garisches joint venture, das unter Leitung und nach Fertigungsnormen der ja­­pa­ni­schen Mutterfirma für den westeuropäischen Markt produziert und vor al­lem in Hinblick auf den voraussichtlich bald explosiv wachsenden Wohnungsbau- und Re­staurationsmarkt in Ostdeutschland und in den osteuropäischen Partner­län­dern zielt. Die ungarische Herkunft ist bei den Endprodukten oft nicht zu er­ken­nen, die für italienische und westdeutsche Handelsfirmen und Baumärkte un­ter deren Han­delsmarken auf den Markt gebracht werden. 1991 wurden die an­ge­peil­ten Pro­duktionsziele noch nicht erreicht, doch hat der japanische Partner wohl aus­rei­chend finanziellen Hintergrund, um die Investition langfristig zu sichern und zu entwickeln.

 

5.9.91, Donnerstag

Ózd: Stahlwerk, Walzwerk - Miskolc-Lillafüred [Metallurgisches Museum]  - Stahl- und Hüttenkombinat Miskoc-Diósgyr - Vortrag von Herrn Csoba Tamás [Bür­ger­mei­ster von Miskolc] - Thermalquellen von Miskolc-Tapolca - Jósvaf

Die traditionellen Eisen- und Stahlwerke von Ózd:

Seit ca. 150 Jahren existiert die Hüttenindustrie in Ózd. Lange Zeit bestand eine enge Verbindung zu den Produktionsstandorten Salgótarján und Miskolc. Um 1890 wird das Stahl- und Walzwerk  von Salgótarján nach Ózd verlegt, wo es gün­stigere Standortbedingungen findet und wo seitdem der Sitz und Pro­duk­tions­schwerpunkt der Aktiengesellschaft ist. Der private Betrieb wird 1946 ver­staat­licht und Mitte 1990 wieder in eine AG mit ausländischer Kapitalbeteiligung um­gewandelt. Der Standort Ózd ist jedoch durch seine periphere Lage, die wenig ent­wickelte Infrastruktur, die industrielle Monostruktur und die größtenteils technisch veralteten Anlagen wenig ent­wicklungsfähig und in einer tiefen ökonomischen Krise.

Nach Angaben des technischen Vizedirektors ist das Werk eingerichtet für eine umfassende Produktpalette der Fertigung vom Roheisen bis zu Fertigwaren. In Ózd stehen vier Hochöfen, die aber seit Ende 1990 nicht mehr gefahren wer­den. 1962 wurde das Stahlwerk erneuert und modernisiert sowie ein Oxygenwerk er­­richtet; 1965 wird ein eigenes Energiesystem gebaut; eine Generatorenanlage zur Eigenstromerzeugung wird in einem gemischten Erdgas-/Erdöl-System be­trie­ben. Parallel dazu wurden die neuen Großöfen errichtet. Seit 1973 laufen ständig Sie­mens-Martin-Öfen und seit etwa 1975 wird ein spezielles Kropp-Verfahren ver­wen­det. In Be­trieb sind ferner das Feinwalzwerk, seit 1975 das Drahtwalzwerk und seit 1985 ein neues Schlackenverarbeitungswerk an einem neuen Standort in der Nähe der al­ten aufzubereitenden Schlackenhalden. Die wirtschaftlich er­folg­reich­ste Zeit für den Betrieb waren die Jahre von 1975 bis 1980.

Die starken Umweltprobleme werden durch den Einbau von Staubfiltern und die Hüttengasreinigung vermindert. Mit modernsten Investitionen wurden in den letz­ten Jahren in einem Zweigwerk am Stadtrand Produktionsstätten für Band­stahl und Schweißnahtröhren errichtet.

Rohstoffgrundlage war bislang staubförmiges sowjetisches Eisenerz, das bis 1972 in einem eigenen Erzverdichter vorbereitet wurde. Dann wird die Erz­vor­be­rei­tung nach Miskolc verlagert. Überwiegend handelt es sich um Haematit, dazu kom­men ca. 10 % Magnetit besserer Qualität. Von den 400-Tsd.-t Koks wurden 300-Tsd.-t aus der Sowjetunion, aus Polen und der CSSR importiert, der Rest wur­de in Yugoslawien aus sowjetischer Kohle verkokt. Das Roheisen aus der Ruß­land und der Ukraine kann seit Ausbruch der Transformationskrise nicht mehr nach den bisherigen RGW-Modalitäten bezogen werden; nur direkte Tausch­ge­schäf­te sind noch möglich. Im Winter 1991/92 wurden z.B. vom Stahlwerk unga­ri­sche Agrarprodukte aufgekauft und mit eigenen LKW nach St. Petersburg trans­por­tiert. Im Gegenzug konnte aus Rußland Roheisen und Eisenschrott mit­ge­nom­men werden, was zur Aufrechterhaltung der Produktion in Ózd dringend benötigt wur­de. Verhüttungszuschläge wurden bisher sowohl aus der Sowjetunion wie aus Un­garn selbst verwendet. Die Lieferungen aus Rußland fallen heute jedoch weit­ge­hend aus.

Die Energieversorgung erfolgt durch Erdgas und Elektrizität; der Betrieb un­terhält ein eigenes Oxygenwerk und erzeugt im Werk selbst Dampfenergie. Die Ten­denz geht hin zum Aufbau einer eigenen Energieversorgung. Wegen der ho­hen Energiekosten in Ungarn versucht das Stahlwerk Ózd eine »Ener­gie­op­ti­mie­rungref  in einem geschlossenen Produktionszyklus aufzubauen.

1980 wurden mit 13.800 Beschäftigten rd. 980.000 t Roheisen verarbeitet, 1,4 Mio. t Stahl produziert und im Walzwerk über 1 Mio. t Walzprodukte her­ge­stellt. Neben Roheisen wird in großem Maße Schrott bei der Stahlherstellung ver­wen­det. Doch war die Produktionsqualität nicht immer besonders gut und der Ener­gieeinsatz z.T. zu hoch, wie die folgenden Daten zeigen:

1980:                700 kg Koks für 1 t Stahl

1990:                500 kg Koks für 1 t Stahl

optimal:             400 kg Koks für 1 t Stahl nach westlichem Maßstab.

Die Produktpalette umfaßt Wandstahl, Profil- und Baustahl in verschiedenen Ab­messungen, auch Stahlplatten für den Schiffbau in Stärken von 5 bis 360 mm. Auch Spezialprofile in vielen Formen können hergestellt werden. Wegen des Bau­booms arbeitete das Werk von 1980 bis 1986 rentabel, doch wurden die erzielten Ge­winne vom Staat einbehalten, so daß keine Rücklagen gebildet wurden und zu der Zeit keine weiteren Reinvestitionen erfolgten.

Im Jahr 1980 wurden ca. 50 % für den ungarischen Binnenmarkt produziert, auf den west­lichen Markt gingen ca. 300.000 t, der Rest in den RGW-Bereich. Bis 1990 sank der Exportanteil auf ca. 30 %, nach dem Zusammenbruch des RGW wer­den 78 % mit steigender Tendenz nur noch für den ungarischen Binnenmarkt pro­du­ziert bei sinkender Gesamtproduktionsmenge.

Das Krisenszenario stellt sich für Ózd nun so dar, daß der Betrieb durch ein­seitige Bindungen an Rohstofflieferungen aus der Sowjetunion und durch Ein­bin­dung in die Absatzstrukturen des zerbrochenen RGW kaum noch auf bisherige Wirt­schaftszusammenhänge zurückgreifen kann, daß der ungarische Binnenmarkt durch die allgemeine Wirtschaftskrise ebenfalls keinen Ersatz bietet und daß durch veraltetet Technologien in Teilen des Betriebes und wenig rationelle Fer­ti­gungs­methoden ein Angebot auf dem ohnehin durch Überkapazitäten ge­kenn­zeich­neten Weltmarkt weder qualitativ noch preislich erfolgsversprechend ist. Auch wenn die lokale Energieversorgung durch die Verwendung von Hüttengas und die Erzeugung von Dampfenergie für Generatorturbinen nach ungarischem Maß­stab recht gut ist, bestehen durch die Energiearmut des Landes und die da­raus folgenden hohen Energiekosten weitere Marktnachteile für alle ener­gie­auf­wen­digen Industrien. Eine grundlegende Umstellung des Betriebes wie des In­du­strie­standortes Ózd ist wohl unvermeidlich. Eine staatliche Kommission sieht vor, nur noch das Drahtwalzwerk weiter zu betreiben. Die drohende fast völlige Ein­stel­lung des Betriebes löst jedoch nicht die ökonomischen und sozialen Struk­tur­pro­bleme des Standortes Ózd und kann zu einer zusätzlich belastenden Pe­ri­phe­ri­sierung des gesamten nordungarischen Industrierevieres mit unkalkulierbaren Se­kundärfolgen führen. Doch sieht die Situation derzeit schlimm aus. Ende 1991 war eine Arbeitslosenquote von über 15 % zu verzeichnen; kurzfristig werden wei­tere 4000 bis 5000 Entlassungen erwartet. Bei einer Schließung des Betriebes wür­de die Arbeitslosigkeit in der Region Ózd auf 40‑50 % steigen, denn um das Stahl­werk herum sind weitere elf private Kapitalfirmen vom Stahlwerk abhängig.

Über die ökonomischen Perspektiven von Ózd ist kaum etwas Positives aus­zu­sagen: Seit Ende 1990 wird das - veraltete - Hauptwerk nur noch mit 30 bis 20 % sei­ner Kapazität gefahren; die Verhüttung ist bis auf eine Schrottschmelze aus Roh­stoffmangel eingestellt, die Siemens-Martin-Öfen stehen still. Das Draht- und Grob­bandwalzwerk werden noch betrieben, das Feinbandwalzwerk wurde fir­men­recht­lich als Mitarbeiter-GmbH ausgegliedert, was wohl - angesichts einer fünf­zig­prozentigen staatlichen Beteiligung - eher als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu wer­ten ist. (Daß hier aus der Not heraus nach dem Ende des sozialistischen Sy­­ste­mes erstmals ein "echter Sozialismus" der Beschäftigten praktiziert wird, ist wohl eine ironische Fehldeutung der Situation!) In allen Werksteilen wird "auf Ver­­dacht" produziert; der Einzelverkauf und der Versuch, kurzfristig auf­tre­ten­de Marktlücken und Marktnischen zu besetzen, ist z.Zt. die einzige Absatzchance. Daß dies nicht nur an der veralteten Produktionstechnologie liegt, zeigt sich da­ran, daß das technisch hochmoderne Zweigwerk am Rande von Ózd im Herbst 1991 eben­falls seine Produktion einstellen mußte. Derzeitige Sanierungspläne gehen von einer engeren betrieblichen Verknüpfung von Ózd und dem Stahlkombinat von Miskolc-Diósgyr aus. Die Komitatsverwaltung hat einen Antrag auf Sanie­rungs­hilfe von 6,5 Mrd. ft für die nordungarischen Industriestandorte gestellt, mit der Investitionen zur Rationalisierung, Spezialisierung und Produktions­ein­schrän­kung ("Verschlankung der Produktion") finanziert werden sollen.

Die Stahlwerke haben heute die Rechtsform einer Aktiengesellschaft, die von den Banken mit 2 Mrd. ft finanziert worden ist. Gewinne werden nicht gemacht, der Konkurs droht. Die anfangs zugesagte deutsche Beteiligung durch die Korff-Grup­pe wurde wegen falscher ungarischer Betriebsdaten zurückgezogen. "Nach al­ter ungarischer Gewohnheit" (so der ironische Kommentar vor Ort) wurde das Be­triebsergebnis geschönt, indem der Betrieb in einzelne Firmen aufgeteilt und de­ren gegenseitige wirtschaftlichen Aktivitäten als Umsatz und Gewinn her­aus­ge­rech­net wurden. Dafür wurden die kostenintensiven Bereiche der Rohstoff­lie­fe­run­gen und der Energieversorgung in der vorgelegten Bilanz "vergessen". Tat­säch­lich wurden aber im ersten privatwirtschaftlich geführten Betriebsjahr 1 Mrd. ft Verluste erwirtschaftet, die die Aktionäre vom Staat ersetzt bekommen wol­len. Doch ist dieses Geld im Staatshaushalt nicht vorhanden; dringender wer­den zudem Gelder für Neuinvestitionen benötigt.

Längerfristig muß Ungarn, um den Industriestandort Ózd unter markt­wirt­schaft­lichen Bedingungen erhalten zu können, sicher einiges an Inno­va­tions­in­ve­sti­tionen nachholen, die Fertigungsprozesse umstellen und modernisieren, und da­bei von der Hüttenindustrie zur Endproduktfertigung der metallverarbeitenden In­dustrie gelangen. In der metallurgischen Phase der Produktion sind auf dem Ab­satzmarkt bestenfalls 85 % der Selbstkosten zu erzielen. Trotz einer sicher län­ger andauernden "Durststrecke" liegt die Perspektive von Ózd sicherlich in dem Erhalt und dem Ausbau der traditionellen Ostmärkte, die in Zukunft wieder eine größere Nachfrage versprechen. Dazu muß jedoch die Rohstoffversorgung neu geregelt werden, vielleicht indem verhütteter und legierter Rohstahl, Stahl­roh­linge oder Granulate eingeführt und in Ózd veredelt und weiterverarbeitet wer­den. Eine eigene ungarische Stahlindustrie wird in Zukunft wenig Chancen ha­ben, da im Westen und in der Dritten Welt ohnehin ein Überangebot herrscht, in der CSFR und in Rußland rohstoffnähere Stahlwerke - bislang staatlich hoch­sub­ventioniert - produzieren, die derzeit noch auf dem Weltmarkt zu fast jedem Preis anbieten, vor allem, um mit den Devisen Nahrungsmittel einzukaufen. Zudem ist der hohe Energiepreis in Ungarn ein weiterer unbeeinflußbarer Kostenfaktor. Auch in Ungarn selbst zeigt sich die geringe Marktbedeutung der Stahl­in­du­strie darin, daß der Kreditrahmen durch die Banken seit 1985 stufenweise verringert wor­den ist.

Miskolc:

In Miskolc-Lillafüred, heute ein touristisch erschlossener Thermalbade- und Luft­­kurort, findet sich eine der Wurzeln der ungarischen Schwerindustrie. Im "Me­­tallurgischen Freilichtmuseum" findet sich die Rekonstruktion des ältesten Hoch­­ofens aus dem Anfang des 19. Jahrhundert. Die ca. 20 m hohe Stein­kon­struk­­tion wurde von oben beschickt und durch Maueröffnungen in Sohlenhöhe durch Ge­bläse befeuert und abgestochen. Die Energieerzeugung für die Poch­häm­mer und die Blasebälge erfolgte durch oberschächtige Wassermühlen. Der kleine Fluß, der als Gebirgsbach durch Lillafüred fließt, war damit auch neben der in Mei­lern ge­won­nener Holzkohle und später der Nutzung der Braunkohlevorkommen der wich­tig­ste Standortfaktor für die Gründung der Hüttenindustrie in Lilla­fü­red. Die Na­men der Orte Felsáhámor (Oberhammer) und Alsóhámor (Unterhammer) deu­ten noch heute auf die Standorte der Pochwerk-Mühlen hin.

Im zwanzigsten Jahrhundert machte der Stahlwerkstandort Miskolc einen un­ge­ahnten Aufschwung; nach dem zweiten Weltkrieg wurde Miskolc durch staat­li­che Planungsentscheidungen neben Budapest, dem neugegründeten Dunaújváros (Do­nauneustadt) an der mittleren Donau (zunächst als "Sztálinváros" = Sta­lin­stadt gegründet) zum dritten Schwerpunkt der Schwerindustrie in Ungarn und Mis­kolc (heute mit 208 Tsd. Einwohnern) nach Budapest (2,1 Mio. Ew.) und De­bre­cen (219 Tsd.) zur dritt­­größten Stadt des Landes. Dabei spielte in der Zeit der engen politischen und öko­nomischen Dependenz zur Sowjetunion die stra­te­gi­sche Lage im Nordosten des Lan­des nahe der sowjetischen Grenze und die gute Er­reichbarkeit mit der Eisen­­bahn von der UdSSR her sicher eine wichtige Rolle.

Heute befindet sich die Wirtschaft von Miskolc ebenfalls in der Krise. Die vom Bür­­­germeister der Stadt hervorgehobene drastische Verbesserung der bislang sehr belasteten Umweltsituation (Gewässer- und Luftqualität) ist dabei nur ein In­­diz dafür, in welch starkem Maße die industrielle Produktion in der Region Mis­­kolc zurück gegangen ist. Gegenüber Ózd hat Miskolc dennoch was das Stahl- und Hüttenkombinat wie auch die Stadtregion angeht deutliche Agg­lo­me­ra­tions­vor­teile, die sich in einer seit jeher stärkeren Differenzierung und Di­ver­si­fi­zie­rung der Pro­duktion, der stärkeren Bedeutung der weiterverarbeitenden In­du­strie und des Maschinenbaus sowie der chemischen Industrie und in einer bes­se­ren infrastrukturellen Ausstattung und Anbindung an internationale Ver­kehrs­we­ge ausdrücken. So dürften hier im großstädtischen Bereich die Trans­for­ma­tions­pro­zesse erfolgversprechender verlaufen als in der industriellen Monostruktur von Ózd. Doch ist auch in Miskolc die sozioökonomische Situation erschreckend, wie es sich Ende 1991 in einer Arbeitslosenquote von über 15 %, in Pro­duk­tions­rück­­gän­gen in der Schwerindustrie um 30 bis 50 % und in Konkursen in der ge­ra­de erst pri­vatisierten mittelständischen Industrie zeigt. Dabei ist das Kri­sen­sze­­na­rio dem von Salgótarján und Ózd durchaus vergleichbar:

 a.   Rohstoffmangel durch Ausfall der Lieferungen aus der UdSSR

 b.   hohe Energiekosten durch die ungarische Energieknappheit

 c.   Technologie- und Modernisierungsdefizite

 d.   Kapital- und Reinvestitionsdefizite

 e.   mangelnde Marktorientierung der bisherigen Produktion

 f.   mangelner Weltmarktzugang durch Qualitäts- und Preisnachteile

Auch hier wird eine grundlegende Umstellung der Produktion, ein Abrücken von der Primärproduktion hin zur qualitativ hochwertigen Veredelungs- und Wei­ter­­verarbeitungsindustrie notwendig sein. Dies wird in der ungarischen Wirt­schafts­politik ebenfalls so gesehen. Die Startvorteile der ungarischen Volks­wirt­schaft durch die schon seit Jahren schrittweise eingeführten, wenn auch oft noch zaghaften Wirtschaftsreformen zeigen sich in den gegenüber den übrigen ehe­­maligen RGW-Staaten positiven Entwicklungstrends.

In Ungarn selbst rechnet man mit einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren, in denen die grundlegenden An­passungsprozesse erfolgt und die strukturellen Kri­senursachen zumindest in Ansätzen beseitigt sind. Im Gegensatz zu den Per­spek­tiven in den Ländern der GUS, vielleicht auch zur Krisenstruktur in Polen, wo die Krisendynamik aus po­li­ti­schen Gründen oft kontraproduktiv verläuft, er­scheint eine solche Prognose für Un­garn durchaus realistisch.

Doch ist das wirtschaftsgeographisch besonders in­ter­essante Problem der re­gio­nalen Disparitäten damit noch lange nicht bewältigt. Die politische Aufgabe einer ökonomisch sinnvollen Raumordnung mit der Entwicklung gleicher so­zio­öko­no­mischer Lebenschancen in allen Teilen des Landes ist wohl auch lang­fri­stig noch nicht lösbar. Der gegenwärtige Trend geht, wie unsere Beobachtungen in Nord­ungarn zeigen, eher in gegenläufiger Richtung: in die Verstärkung struk­tu­rel­ler Entwicklungsunterschiede, in der Konzentration des ökonomischen Auf­schwungs auf die Großregion Budapest und einige Standorte in Westungarn. Die Ver­­­stärkung zentral-peripherer Gefälle reproduziert sich im lokalen Maßstab auch im Vergleich der Entwicklungschancen von Ózd und Miskolc.

Dies entspricht im klei­nen Maßstab den neuen globalen Ent­wick­lungs­prog­no­sen für das kommende Jahr­hundert, in denen ein weiteres ökonomisches Wach­stum der Industrieländer und hier der städtischen Metropolen und eine starke Ver­armung der peripheren Räu­me vorhergesagt wird. Für Deutschland wird in pes­simistischen Prognosen eine Luxus­ent­wick­lung der Großstädte und eine ra­di­kale strukturelle und soziale Deprivation der städtischen Ergänzungsräume (da von echten ländlichen Räumen in Deutsch­land ohnehin nicht mehr gesprochen wer­den kann) und die Stabilisierung eines struk­turellen West-Ost-Gefälles vor­her­gesagt.

Ähnliche Ansätze sind in Ungarn schon phänomenologisch zu erkennen im Ver­­gleich der sorgfältig restaurierten Kon­sumzentren in Budapest mit der ver­fal­len­den und strukturell kaum noch sa­nie­rungsfähigen Orts- und Wirt­schafts­struk­tur in Ózd und Salgótarján. Auch hier zeigen die städtebaulichen Bemühungen in Mis­kolc die Bedeutung des Ag­glo­me­rationsvorteiles für eine Abwendung der Pe­ri­phe­risierungsdynamik.

6.9.91, Freitag

Vortrag von Herrn Buzetcki Gyözö [Direktor des Nationalparks Aggtelek] - Be­sich­­tigung der Karstforschungsstation der Eötvös-Universität - Besichtigung der Barad­­la-Tropfsteinhöhle - Tokaj [Weinprobe] - Nyíregyháza

Aggteleki Karszt:

Im nordostungarischen Grenzbereich findet sich ein weitgehend unbekannter at­traktiver Naturraum, der auch geographisch einige interessante Besonderheiten zeigt: das Karstgebiet von Aggtelek. Der Gesamtbereich dieses Karstgebirges wird durch die Staatsgrenze zerschnitten; Grundwassersysteme und Höhlen reichen weit in die Slowakei hinein. Die geologische Geschichte dieses Gebirgsstockes geht auf das Varistikum zurück. Der Grundstock des Magenagebirges ("Slowakisches Erzgebirge") besteht aus Dolomit aus dem Ende Perm bis Mitte Trias. An dieser variskisch verfestigten Insel in der Thetis lagerten sich im Kü­sten­bereich maritime Kalke ab. Im Kreidemeer entstehen weitere Kalk­ab­la­ge­run­gen, die die Grundlage für mehrere große Höhlensysteme bilden. Im Pannonischen Meer im Tertiär, für Ungarn eine geologisch prägende Phase, wurden Kü­sten­kliffs und Schorren am Rande der Kalkablagerungen herauspräpariert und Kü­sten­schotter und -sande abgelagert. Diese Küstensedimentation findet sich bis weit in die Höhlensysteme herein, die zu dieser Zeit weiter ausgewaschen und ver­größert wurden.

Das mehrstöckige System der Baradla-Höhle, die sich zum größeren Teil in Ungarn befindet, umfaßt ca. 22 km miteinander verbundene Höhlengänge. Ab­ge­deckt wird der triassische "Graue Kalkstein" (Wetterstein der alpinen Trias über per­mischem Sandstein und Tonschiefer), einem sehr reinen Material, das nur mit < 0,1 % Tonbestandteilen verunreinigt  und daher für Karstbildungen besonders ge­eignet ist, von oberpliozänen Oberflächenschichten. Die Streichrichtung ver­läuft West-Ost, die Schichten fallen nach Norden ein. Die Baradla-Höhle gehört zu den größten Höhlensystemen Europas; an der Oberfläche sind alle bekannten Karst­formen zu beobachten wie Dolinen, Karrenfelder und Karsttäler und Karstquellen, z.T. in lehrbuchgerechter Idealform. Die Baradla-Höhle zwischen Agg­telek und Jósvafist auch touristisch äußerst attraktiv, da in gut ge­si­cher­ten und beleuchteten Abschnitten der Haupthöhle, in der kilometerlange Höhlen­wan­derungen möglich sind, spektakuläre Stalaktiten- und Stalagmitentropfsteine zu finden sind.

Tokaj:

Die Tokajer Hügel (Tokaj Hegy) sind ein berühmtes und wirtschaftlich be­deu­ten­des Weinbaugebiet. Der süße und schwere Tokajer ist seit Jahrhunderten als Des­sertwein berühmt, auch wenn er heute nicht ganz in die modische Tendenz zu trocke­nen und leichten Weinen paßt. Doch die besondere, nur in den Kellern der Tokaj Hegy ausgebaute Edelfäule eines speziellen Traubenpilzes gibt dem Tokajer ein einmaliges Aroma, das durch sorgfältige mehrjährige Gärung entwickelt wird. Doch dazu sollte Genaueres in der Literatur des Weinbaus nachgelesen werden.

Wirtschaftsgeographisch interessant ist die flächenmäßige Dominanz des Wein­an­baus auf den Tokaj Hegy und die starke Exportorientierung. In den ver­gan­ge­nen Jahren erfolgte aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus eine zu starke Aus­weitung des Anbaus auch auf weniger geeignete Flächen, was zu Qua­li­täts­ein­bußen führte. Teile des Rebbestandes im dominierenden Staatsgut von Tokaj sind in keinem besonders gepflegten Zustand. Auch hier ist eine Umorientierung not­wen­dig, die sowohl die Betriebsform als auch die stärkere Konzentration auf die qua­litativ herausragenden Weine umfaßt. Nur eine mengenmäßige Einschränkung und die Sicherung der Qualität der Spitzenweine kann den Tokajer auf Dauer kon­kurrenzfähig und ökonomisch gesund halten.

Die Weinvermarktung ist ohnehin in Ungarn ein Problem. Zu lange hat man die guten und naturreinen Weine des Landes als Billigweine, Faß- und Tank­wa­gen­­weine exportiert und damit ein schlechtes Marktimage aufgebaut. Die Vielzahl der z.T. alten und aromatischen Rebsorten, die in Ungarn noch mit Erfolg an­ge­baut werden, muß Ungarn zu Weinspezialitäten auf dem Weltmarkt ausbauen.

 

7.9.91, Samstag

Im Komitatshaus Nyíregyháza: Vortrag über die physische Geographie des Ko­mi­tats Szabolcs-Szatmár-Bereg; Vortrag über sozioökonomische Fragen des Komitats - Staatsgut und Kooperative bei Nyíregyháza [Apfelanbau] - Hortobágy Puszta / Ka­darcsi Csárda - Budapest

 

Landwirtschaft im Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg

Das Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg ist eine wichtige landwirtschaftliche Re­gion Ungarns, in der vor allem der Fruchtbaumanbau im Vordergrund steht. Für das Verständnis der landwirtschaftlichen Grundlagen in diesem ehemals sum­pfi­gen Gebiet an der Theiss (Tisza) - nyirkos = feucht - ist ein Blick auf die geo­lo­gi­sche Geschichte wichtig. Im Komitatshaus in Nyíregyháza wurden wir in Vor­trä­gen sowohl über die naturgeographische Situation als auch über die heutigen wirt­schaftlichen Probleme der Region informiert.

Die Region Nyíregyháza liegt am Rande des Alföld im Einzugsbereich der Tiza. Bis zum Miozän Festland, wurde der ca. 5100 km² große Bereich im Mittelmiozän in die zentralungarische Senkung einbezogen und von der Transgression des Pan­nonischen Meeres erfaßt. Während der gleichzeitigen Heraushebung der nörd­li­chen Ungarischen Mittelgebirge erfolgte eine starke Sedimentation von Schot­tern und Sanden, die heute die Große Ungarische Tiefebene bilden. Nach der ma­ri­timen Regression erfolgt eine Hebungsphase. Im Pleistozän erfolgt noch einmal eine starke Ablagerung von Sanden und Löß und gleichzeitig die Re­lief­aus­prä­gung durch die Flüsse, die von Norden und Nordosten in das Alföld hin­ein­strö­men und sich im Gebiet von Nyíregyháza zu den Theißsümpfen vereinigen. Tiza und Szamos sedimentieren bis zu 70 m Schotter- und Flußsande über den Pan­no­ni­schen Sedimenten ab. Der Verlauf der Theiss verlagert sich mehrfach, zunächst vom nördlichen Gebirgsrand nach einer entsprechenden Sedimentationsphase wei­ter in die Ebene nach Süden hin, dann, nach einer lokalen Hebung des Nyirség-Hü­gellandes um Nyíregyháza nach Westen. Die Theiss-Nebenflüsse der Region Nyí­regy­háza fließen somit nach Norden zur Theiss, die das Hebungsgebiet nord­west­lich umfließt; Feuchtperioden seit dem Pleistozän bewirken großflächige Defla­tions­erscheinungen. In den Sumpfniederungen entstehen ortsteinähnliche Eisen­an­reicherungen in den Böden. Diese Kobavarner Schichten sind zeitweilig ab­ge­baut und zur Eisengewinnung genutzt worden.

Die Bodenqualität ist wechselnd. Gute Böden finden sich im nördlichen Be­reich auf Löß und Lößlehmen; im Süden gehen die äolischen Sedimente in Flott§­san­de und Dünen über, deren agrarische Nutzbarkeit geringer ist, teilweise aber für den Fruchtbaumanbau noch ausreicht. Die hydrologisch bedingten eda­phi­schen Unterschiede der Bodenqualität sind groß. Die Theißregulierung im letzten Jahr­hundert hat die Landwirtschaftliche Nutzfläche der Region Nyíregyháza deut­lich vergrößert und qualitativ verbessert. Doch wurde dadurch auch ein lang­fri­sti­ger Austrocknungsprozeß eingeleitet, der den Grundwasserspiegel erheblich ab­senkt und zur Austrocknung der ohnehin oft trockenen Sandböden führt. In der westlich anschließenden Tiefebene im Bereich der Hortobágy-Puszta führt die­se Austrocknung zu starken ökologischen Schäden, Versalzungen und Boden­ver­krustungen, die sich im Landschaftsbild als sekundäre Versteppungen be­merk­bar machen.

Für die Ungarische Tiefebene, das Alföld, einschließlich der Theißsümpfe von Nyíregyháza können daher mehrere neuzeitliche Landschaftswandlungen, die kul­tur­geographisch bedingt sind, festgehalten werden. Zu Beginn der Neuzeit do­mi­nier­ten im Alföld und besonders in der Fußregion der Ungarischen Mittelgebirge noch großflächige lichte Wälder, z.T. mediterranen, z.T. kontinentalen Charakters mit vielfältigen Eichenbeständen, Birken, mit Heide und Maiglöckchen als Bo­den­be­deckung, neben breiten Sumpfvegetations- und Auebereichen an Donau und Theiss. Nach der Landnahme im zehnten Jahrhundert erfolgte eine intensive Ro­dungs­phase und die landwirtschaftliche Inwertsetzung. Schon im Spätmittelalter be­ginnt die Bodenerosion und im Zentralbereich die Dünenbildung. Die natürliche Ve­getation wird auf einige Inseln reduziert. Die Zeit der Türkenkriege entvölkert das Land; die Landwirtschaft extensiviert sich, die landwirtschaftliche Be­völ­ke­rung konzentriert sich auf einige große Wehrdörfer wie z.B. Kecskemét. An die Stel­le von Ackerbau tritt in großen Teilen des Landes die Weidewirtschaft; die Pfer­dezucht erlebt in diesen kriegerischen Zeiten einen großen Aufschwung. Die ver­ödeten großen Tieflandflächen versteppen und es entsteht die typische Puszta­landschaft, die damit - ähnlich wie in Norddeutschland die Heide - eine Se­kundärsteppe nach einer Phase der Abholzung und der nachfolgenden land­wirt­schaftlichen Extensivierung ist.

Im 19. Jahrhundert, im Zusammenhang mit der Besinnung auf die ungarische na­tionale Identität und nationalstaatliche Ziele, die letztlich zum "Ausgleich" mit Habs­burg und der Konzeption der k.u.k.-Doppelmonarchie führte, erfolgt mit der vor allem auch von Graf Széchenyi vorangetriebenen Theiss-Regulierung eine neuer­liche landwirtschaftliche Intensivierung mit den heute für Ungarn ty­pi­schen Produktionsschwerpunkten Obst- und Weinanbau, Gemüse und Paprika; spä­ter folgte die Intensivierung der Schlachtviehhaltung mit großflächigem Anbau von Futtermitteln, vor allem in den letzten Jahrzehnten von Mais.

Apfelbaumkulturen finden sich in Ostungarn bis ca. 200 m über dem Meeres­spie­gel. Gleichzeitig erfolgt eine regionale Aufforstung mit schnellwachsenden Höl­zern, z.B. mit der Pseudo-Akazie (Robinie), die vor allem zum Binden und Fest­legen von Sand, Dünen und Flottsanden genutzt wird. Die traditionelle Wei­de­wirtschaft und Pferdezucht wird in "Reservate" mit marginalen Böden zu­rück­ge­drängt (Hortobágy-Puszta, Bugacz-Puszta) und wird auch sozialökonomisch mar­ginalisiert. Ohne die Bedürfnisse des Tourismus würde sie wohl bald gänzlich ver­schwunden sein. In der Funktion eines "ökologischen Reservates" zur Er­hal­tung der ungarischen Steppenlandschaften und des "Genpools" urtümlicher wi­der­standsfähiger Zuchttierrassen (Pferde, Rinder, Schafe) kann der Bewahrung von Resten der Puszta-Wirtschaft jedoch über den Tourismus hinaus eine über­na­tionale zukünftige Bedeutung zukommen.

Das Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg ist Zentrum des Apfelanbaus in Ungarn, der bisher in großen Plantagen von Kooperativen und Staatsgütern betrieben wur­de. Die Randlage im Osten erschwert eine wirtschaftliche Weiterentwicklung und Diversifizierung der Produktion, obwohl die Verbindung in Richtung Buda­pest nach ungarischen Maßstäben gut ist (vier Autostunden nach Budapest, acht Auto­stunden bis Wien; die Haupteisenbahnlinie führt ebenfalls durch Nyí­regy­háza). Doch ist der Ausbauzustand der Infrastruktur noch nicht ausreichend.

Auch in diesem vorwiegend landwirtschaftlichen Bereich steigt die Ar­beits­lo­sig­keit. Bei einer Gesamtbevölkerung des Komitates von 600.000 Bewohnern, von de­nen 320.000 dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sind Ende 1991 mehr als 10 % arbeitslos - mit steigender Tendenz. Eine Konferenz in Budapest im Mai 1991 be­riet über regionale Strukturverbesserungen. Vor allem wird der Ausbau einer Auto­bahnverbindung nach Osten in Richtung Ukraine und Rußland angestrebt. Das veraltete Telefonnetz wird auf digitale Glasfasertechnik umgestellt und von 40 auf 120 Tsd. Linien erweitert. Das Komitat sieht in diesen Maßnahmen den Be­ginn einer industriellen Entwicklung in Ostungarn.

Im landwirtschaftlichen Vermarktungsbereich bei Äpfeln und Mol­kerei­pro­duk­ten finden sich heute schon ausländische Kapitalinteressen in joint ventures. Auch die Firma Beiersdorf AG (Hansaplast) hat ein joint venture in Nyíregyháza auf­gebaut. Künftige Industrialisierungsschwerpunkte werden im Chemiebereich ge­sucht; Firmen wie Ferrostaal zeigen sich an einer Kapitalbeteiligung in­ter­es­siert. Doch ist der Kreditmarkt in Ungarn recht angespannt und die Stand­ort­situa­tion im Komitat erschwert die Requirierung von Industrieansiedlungen. Die In­vestitionsquote könnte durchaus noch höher sein.

Im Komitat befindet sich ein großer Eisenbahnknotenpunkt, Záhony, an dem die Umspurung auf die in der Ukraine und in Rußland übliche Breitspur erfolgt. Die Umschlagkapazität dieses Knotenpunktes liegt bei 21 Mio. t pro Jahr. Man er­war­tet für die Zukunft eine weitere Steigerung der Bedeutung dieses Umschlag­punk­tes, wenn die EG und Südosteuropa einen großen Teil des wahrscheinlich wach­senden Osthandels mit den Ländern der GUS über Ungarn laufen lassen. Dazu ist jedoch ein großzügiger Ausbau der Eisenbahnverbindung in Richtung Öster­reich und - wenn auch heute durch die politischen Konflikte belastet - Bel­grad/Bukarest/Istanbul notwendig. Für die Erneuerung der Umschlagein­rich­tun­gen wird ein Investitionsbedarf von 1,5 Mio. ft. benötigt.

Der Entwicklungsrückstand der Industrie erzeugt große Umweltprobleme. Doch auch hier besteht die Hoffnung auf eine Erneuerung im Zusammenhang mit einem Anschluß an den westeuropäischen Markt. Von den 320.000 Beschäftigten ar­beiten jeweils ca. ein Drittel in der Landwirtschaft, in der Industrie und im ter­tiären Sektor. Der Schwerpunkt der Industrie liegt heute noch in der Leicht­in­dustrie und der Nahrungsmittelverarbeitung. In Nyíregyháza findet sich Gum­mi- und Papierherstellung, Elektro- und Elektronikindustrie, in Kisvárda eine Eisen­gießerei. Die Chemieindustrie konzentriert sich dem lokalen land­wirt­schaft­li­chen Markt folgend auf den Pflanzenschutz. Textil- und Lederindustrie haben in der Region Nyíregyháza Tradition: Im Komitat werden pro Jahr ca. 5 Mio. Paar Schuhe hergestellt. Die durchschnittliche Betriebsgröße in der Industrie liegt bei 500‑1000 Beschäftigten. Doch gerade im industriellen Bereich machen Massenent­las­sungen große Sorge. Viele Betriebe mußten durch Absatzschwierigkeiten bei gleich­zeitiger Erhöhung der Arbeitsproduktivität zwischen 40‑50 % der Be­schäf­tig­ten entlassen. Das innovationsorientierte Investitionsverhalten der Unter­neh­men zeigt aber positive Ansätze und Perspektiven für eine zukünftige struk­tu­rel­le Gesundung der regionalen Industrie.

Im Zentrum der Wirtschaft des Komitates steht aber auch heute noch die Land­wirtschaft und die Lebensmittelindustrie. ca. 600.000 t Äpfel werden pro Jahr geerntet und vor allem zu Apfelsaftkonzentrat verarbeitet. Speiseäpfel und die Her­stellung von Apfelschnaps haben ebenfalls wirtschaftliches Gewicht. Aus dem Ko­mitat kommen ca. 60 % der Apfelproduktion Ungarns. Daneben erzeugt die Re­gion 40 % des Tabaks, auch wenn hier keine Endproduktion erfolgt, und eine er­heb­liche Menge Sonnenblumenöl. Daneben wird Viehzucht (Schaf­haltung und Schweinemast) betrieben. In Kisvárda erfolgt Geflügelverarbeitung nach EG-Normen für den westeuropäischen Markt.

Die Cooperative Levelek bei Nyíregyháza ist ein typischer Großbetrieb der Apfel­erzeugung. Die neu konstituierte "Verwertungs- und Absatzgenossenschaft" tritt das Erbe der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft an. Die Pro­duk­tion selbst befindet sich in einem Prozeß der Reprivatisierung, in der zum 31.12.91 alle Flächen ihren ursprünglichen Eignern zurück gegeben wurden. Da­bei ist die Gründung einer freiwilligen Cooperative im Gespräch, die den Pro­duk­tions­mitteleinsatz rationalisieren würde. Die nichtagrarischen Betriebsteile der al­ten Cooperative sind in eine Reihe von unabhängigen GmbHs überführt worden (Elek­tromotorenservice, Textilherstellung - z.B. auch für die deutsche Lufthan­sa -, Kunstharzfabrikation, Isoliermittel/Sicherungen für Elektroanlagen, Trans­port­unternehmen). In der bisherigen Cooperative waren ca. 40 % der Be­schäf­tig­ten im Industriebereich tätig, der Rest, mehr als 1000 Beschäftigte, in der land­wirt­schaftlichen Produktion.

Die Privatisierung erfolgt nach dem Privatisierungsgesetz von 1991, das ver­schie­dene Formen der Überführung in privatwirtschaftliche Betriebsformen für die Cooperativen vorsieht. Von der Cooperative gepachtete - aber rechtlich immer im Eigentum der Vorbesitzer gebliebene - Flächen werden ohne weitere Auflagen zu­rückgegeben. Die freiwillige Weiterführung in Genossenschaftsform bleibt mög­lich. Für enteigneten Großgrundbesitz, bei denen der ehemalige Eigner bzw. seine Erben nicht weiter im Betrieb tätig waren und z.T. aus politischen Gründen ver­trieben worden sind, gelten andere Bestimmungen: die ehemaligen Eigner wer­den vom Staat entschädigt entweder mit übertragbaren Besitzzertifikaten, mit de­nen u.U. an beliebiger Stelle vom Staat im Rahmen der Privatisierungsmaßnahmen auf dem Grundstücksmarkt angebotene Immobilien oder auch Kapitalbeteiligungen er­worben werden können - was nur in selten Fällen im Bereich der betreffenden auf­gelösten Cooperative selbst sein wird; oft besteht ohnehin größeres Interesse an gewerblichen oder für den Hausbau nutzbaren Grundstücken! -, oder sie wäh­len eine staatliche Ausgleichsrente. Die höchste Entschädigung beträgt 1991 je­doch 5 Mio. ft, was ein Wiederentstehen von Latifundien verhindert.

In der landwirtschaftlichen Produktion entscheiden nunmehr die Eigner selbst über die günstigste Betriebs- und Produktionsform. Bisher wurden auf ca. 3300 ha Betriebsfläche 2200 ha landwirtschaftlich bewirtschaftet, davon 280 ha Apfel­baumplantagen,  daneben Tabakanbau und Gemüsekulturen sowie Viehzucht mit ca. 4000 Schafen. Die bisherigen Einnahmen der Cooperative beliefen sich auf 350.370 Mio. ft.

Heute übernimmt die Absatzgenossenschaft die Vermarktung. Das ist beson­ders da­her notwendig, da die Industrieapfelproduktion (für Saft und Konzentrat) nur auf Großhandelsebene abgesetzt werden kann. Die Umstellungsschwierigkeiten des Be­triebes führten dazu, daß die höherwertigen Speiseäpfelbestände vorüber­ge­­hend als Industrieäpfel vermarktet werden, da noch keine hinreichende Be­triebs­organisation die Fruchtpflege und sorgfältige Ernte mit der Hand sichern konn­te und noch keine neuen Vermarktungswege für Speiseäpfel gefunden sind. Die mechanische Ernte für Industrieäpfel darf aber höchstens zwei Jahre lang vor­genommen werden, um die Baumbestände nicht dauerhaft zu schädigen.

Das Hauptproblem für die Cooperative ist der Verlust der Ostmärkte - das gleicht den Problemen der ungarischen Industrie. Die Umstellung und Ver­än­de­rung der Absatzbeziehungen muß schnell erfolgen, um den Kapitalbestand und die Baumkulturen nicht zu gefährden und die hohe Zinsbelastung durch die im Rah­men der Umstellung notwendige Verschuldung wieder abbauen zu können. Pro­­ble­matisch ist es für den Betrieb auch, daß die industriellen Betriebsmittel, die in der landwirtschaftlichen Produktion benötigt werden, im Preis schnell stei­gen und sich am Weltmarktpreis orientieren, ohne daß die landwirtschaftliche Produktion ebensolche Preissteigerungen realisieren könnte. Das Problem der land­wirtschaftlichen Überproduktion in Europa ist hier durchaus bekannt und be­lastet die Zukunftsprognosen. Doch bleibt für die einheimische Bevölkerung, für die hochqualifizierten landwirtschaftlichen Experten, in Ungarn kaum eine Be­schäftigungsalternative. Daher wird man versuchen, mit viel Phantasie und Flexi­bilität eine spezialisierte und differenzierte Angebotspolitik auf vielen Märk­ten und in vielen Marktnischen zu betreiben bei hoher und kontrollierter Pro­duk­tionsqualität.

Inhalt:

Einführung

Die Bergwerks- und Steinbruchregion nordwestlich von Budapest

Kon­urbation Budapest

Das Zagyva-Tal und die Ausläufer des Cserhát

Aluminium-Gießerei Apc

Salgótarján

Die Raumwirksamkeit des Krisengeschehens

Der Charakter der Krise

Die traditionellen Eisen- und Stahlwerke von Ózd

Miskolc

Aggteleki Karszt

Tokaj

Landwirtschaft im Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg

Impressum der Druckauflage

Voigt, Gerhard:

Ungarn. Bericht von einer Exkursion durch Nordungarn 2.-7.9.1991. Gerhard Voigt - Hannover: UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bis­marck­schule Hannover, e.V. (An der Bismarckschule 5, Hannover) 1992

Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V. [ISSN 0945-1536]

Hannover 1992. 28 S., A 5, geheftet [ISBN 3-930307-02-2]

Erstveröffentlichung im Internet IX/2002 / Überarbeitung 14.11.2011

Folgt der 1. Auflage 1992

Alle Rechte vorbehalten

Printed in Germany

 

 

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Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum
(vgl. Seitennavigation)

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand: IX/1992.

Letzte Bearbeitung: 14.11.2011

 

 

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Ab 2007 als Vorsitzender: Stefan Schulze-Brüggemann
Kontakte über die Schule an Herrn Schulze-Brüggemann - stefansb@web.de

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