Hans A. Gütte
Einige Gedanken zur
UNESCO-Arbeit aus der Sicht des Fachs Musik
Wenn die Aufgaben der UNESCO u.a. die Förderung der
internationalen Zusammenarbeit auf den Gebieten der Erziehung,
Wissenschaft und Kultur, allgemeine Volksbildung, Durchsetzung der
Menschenrechte und Hebung des Bildungsniveaus sind, dann kommt die
kulturelle Förderung u.a. in Bestrebungen zum Schutz des kulturellen Erbes
zum Ausdruck.
An der Bismarckschule bietet sich durch unsere
Türkei-Kontakte an, die arabisch-islamische Musik zu thematisieren, und
zwar a) inhaltlich im Unterricht und b) durch Geselligkeit, d.h.
Kennenlernen der Umgangsformen und Lebensweise ihrer Menschen.
„Jeder Mensch hat die ganze Menschheit in sich. Ein
Europäer kann balinesische Musik erleben, ein Japaner Musik aus
Mozambique, ein Mexikaner indische Musik.“ Man muß diese optimistischen
Worte Karlheinz Stockhausens, die als Ermunterung und Verpflichtung
zugleich für jeden aufgeschlossenen Menschen im Zeitalter weltumspannender
Kommunikation über die Grenzen des eigenen Kontinents hinauszusehen
gemeint sind, allerdings einschränken: Nicht nur vertraute Hörgewohnheiten
nämlich sind dem Ungewohnten gegenüber zu korrigieren und zu
differenzieren, vor allem auch für selbstverständlich gehaltene
soziologische und ästhetische Einstellungen müssen „geöffnet“ und
relativiert werden.
Zu a): Formungs- und Gestaltungsprinzipien
arabisch-islamischer Musik an Beispielen aufzeigen; erkennen, daß sie aus
anderen religiösen, gesellschaftlichen und philosophischen Verhältnissen
herausgewachsen ist, und daß sie völlig anderen Maßstäben und
Schönheitsidealen unterliegt als die europäische.
Erkennen, daß die arabisch-islamische Musik ihrem
Wesen nach vokal-melodisch und einstimmig ist, daß sie aus „offenen“
Formen besteht und weitgehend improvisiert wird; daß ihre Tradition
mündlich im persönlichen Kontakt zwischen Lehrer und Schüler geschieht;
daß Inhalt dieser Überlieferungen nicht „Objekte“ sondern „Ideen“ sind,
also melodische und rhythmisch-metrische „Modelle“, die die Grundlage der
Improvisationen sind. Kennenlernen des Tonsystems – der Instrumente der
Aufführungspraxis.
Wir haben immer wieder die Fremdartigkeit dieser
Musik im Unterricht feststellen können, was uns veranlaßte, mit einer
türkischen Folklore-Gruppe Kontakt aufzunehmen.
Zu b): Volkstänze, Volkstrachten und Originalmusik
auf Original-Instrumenten – Gespräche mit den Ausführenden. „Türkische
Abende“ mit landeseigener Nahrung und Getränken, Medien und Literatur etc.