|
2.
Die NATO und der Warschauer Pakt Im Jahre 1955 beschlossen die Ostblockstaaten unter Führung
von Russland ebenfalls einen Pakt. Ausschlaggebend für die Unterzeichnung eines
solchen Vertrages war der Beitritt der BRD in die NATO. Am 14. Mai 1955
unterzeichneten dann
Albanien, Bulgarien,
die DDR, Polen, Rumänien, die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Ungarn in
Warschau den gleichnamigen Vertrag. Mit diesem Vertrag wurde Freundschaft,
Zusammenarbeit und gegenseitiger Beistand und die Bildung eines „Vereinten
Kommandos der Streitkräfte“ beschlossen. In einigen Punkten identisch
wurden die Kernpunkte dieses Vertrages zum Nordatlantik-Vertrag formuliert. Die
Kernpunkte waren die gegenseitige Konsultierung in allen wichtigen Fragen der
internationalen Politik, die Verpflichtung zum militärischen Beistand im
Angriffsfall und die Unterordnung der Truppen unter ein gemeinsames
Oberkommando. Die Kommandozentrale der Truppen war in Moskau und der
Oberbefehlshaber immer ein sowjetischer Offizier. So wurde ein Gleichgewicht zum
bestehenden NATO-Vertrag geschaffen. Die Fronten des „Kalten Krieges“ verschärften
sich damit noch mehr, und gleichzeitig band die Sowjetunion die anderen
Ostblockstaaten noch enger an sich. Hinzu kamen in den weiteren Jahren
Truppenstationierungsabkommen mit Polen (1956), der DDR, Rumänien und Ungarn
(1957) und Tschechien (1968).
Unterschiede zum NATO-Vertrag
gab es in sofern, dass die Sowjetunion die Mitgliedschaftskündigung nicht so
einfach hinnahm und schon mal in ein Land, das die Mitgliedschaft aufgegeben
hatte, einmarschierte und es so damit zum Verbleib zwang. So geschehen während
des Ungarischen Volksaufstandes 1956. Albanien dagegen schaffte es
trotzdem 1968, nach Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in der Tschechoslowakei,
sich vom Vertrag zu lösen. Diese Militäraktion war die einzige des Warschauer
Paktes und richtete sich ausgerechnet gegen eines der Mitgliedsländer. Die
Truppen griffen somit eines ihrer eigenen Mitglieder an, das sie im Falle eines
Angriffs durch ein Land außerhalb des Bündnisses hätten mit verteidigen
sollten.
3.
Zukunftsaussichten der Mitglieder Ein Vorteil bei der militärischen Organisation ist,
wie auch unter Punkt 5 beschrieben, ein nicht so straff organisiertes Bündnis,
wie z. B. die EU mit vielen Verordnungen, die meist nur in einem
funktionierenden Staat umzusetzen sind. Bei den Staaten des ehemaligen Ostblocks
ist genau dieses Problem gegeben; die Beamten stehen nicht unter direkter
Kontrolle der Regierung, und so können Gesetze nicht umgesetzt werden, da sie
nicht dort ankommen, wo sie wirken sollen.
Mit einem Beitritt zur NATO werden die Staaten langsam
an eine solche Organisation herangeführt und auf die EU vorbereitet. Jeder darf dem Bündnis beitreten, also alle Staaten,
die bei dem Erreichen der Ziele mithelfen und von der Kommission eingeladen
werden. Auch ohne große oder funktionierende Armee kann ein Land beitreten
(siehe Island). Zu den Zielen gehört z.B. die politische, kulturelle und
wirtschaftliche Zusammenarbeit; so können die Staaten auch ohne
EU-Mitgliedschaft ökonomische Vorteile bekommen.
Doch warnte der ehemalige russische Ministerpräsident
Gorbatschow,
dass man mit einer NATO-Ost-Erweiterung nicht die Probleme der Länder lösen könne.
In seiner Rede sagte er auch, [...] „daß die NATO-Ost-Erweiterung für Russland
eine Gefahr bedeute. Deshalb dürfe man sich nicht darüber wundern, wenn der
Kreml Reaktionen auf die NATO-Erweiterung erwäge, sei es, daß die russische
Regierung ins Auge fasse, Verträge über die atomare Abrüstung nicht zu
unterzeichnen oder die Armee zu verstärken.“
Quelle: http://www.uni-karlsruhe.de/~presse/Pressespiegel/1998/238.html.
Eine gewisse Distanz zwischen Russland und den USA
bleibt auch nach einer schrittweise Annäherung auf dem Gebiet der militärischen
Zusammenarbeit. Dies war vor etwa 10 Jahren. Aber nach dem Anschlag auf die USA
haben sich die Fronten im miteinander arbeiten entspannt, und es werden Stimmen
nach einer Zusammenarbeit auch auf Ebene der NATO laut.
4.
Verhältnis der Ukraine zur NATO
In Europa und auch in den USA herrscht das Problem, dass
diese Länder sich nie um das Land zwischen Polen und Russland gekümmert haben.
Zu Zeiten des „Kalten Krieges“ war
die Grenze der NATO in Westdeutschland und die Ukraine ein Teil des Warschauer
Paktes bzw. ein Teil der UdSSR. Keinen im Westen kümmerte damals des Land der
Ukraine. Doch nach Ende des Ostblocks und dem Eintritt Polens in die NATO
verlegte sich die Außengrenze weiter nach Osten - direkt vor die russischen
Republik. Die Auswirkungen von Russland auf die Ukraine waren für die NATO-Länder
nicht so offensichtlich.
Nach dem Beitritt von Polen, Tschechien und Ungarn
(1999), bot die NATO der Ukraine auch Beitrittsverhandlungen an.
Doch bei einer Integration der ehemaligen
Ostblockstaaten treten, wie auch bei Polen, immer wieder Probleme auf, die mit
der ehemaligen Organisation der inneren Staatsstruktur zu tun haben. Im Westen
sind die Staaten seit langem industrialisiert und befinden sich in einem
organisierten Zustand, doch in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion fehlt die
Kommunikation zwischen den Beamten und den Staatsorganen. Somit gibt es eine
Erschwerung der Integration durch fehlende Staatsmacht.
Bei der Ukraine kommt der Identitätskonflikt der Bevölkerung
hinzu, der die Bildung eines funktionierenden Staates verhindert. Somit wird
auch die Durchsetzung einer Kommandostruktur innerhalb der NATO schwierig. Trotzdem ist es den Staaten der NATO und vor allem
der Bundesrepublik Deutschland wichtig, die Sicherung des Friedens nach dem
Ost-West-Konflikt fortzusetzen und den Demokratiegedanken in der ehemaligen
UdSSR zu fördern. Bei diesem Prozess befinden sich aber Widerstände auf Seiten
Russlands, denn mit einer NATO-Ost-Erweiterung mit Angliederung der Ukraine befände
sich die NATO direkt an den West-Grenzen der russischen Republik. In Folge
dessen käme es auch zwischen Moskau und der Ukraine zu Spannungen. Die
ehemaligen wichtigen Handelsbeziehungen könnten unter diesen Spannungen leiden
oder gar abbrechen. Doch zur Sicherung des
Friedens in Europa wäre eine Mitgliedschaft der Ukraine wünschenswert.
Die Ukraine hofft durch eine Mitgliedschaft in der NATO
den Anschluss an den Westen zu finden, denn durch den Beitritt Polens zur NATO
beginnen nun auch die Beitrittsverhandlungen zur EU. Auf diesen wirtschaftlichen
und politischen Aufschwung durch die Mitgliedschaft in einer europäischen
Vereinigung hofft die Ukraine schon seit langem. Sie will verhindern, dass die
Verbindung nach Westen abbricht, denn von Russland hat sie keine
wirtschaftlichen Hilfen mehr zu erwarten. Polen
könnte durch einen Beitritt zur EU auch den Kontakt zur Ukraine verlieren, denn
dann würde die NATO- und die EU-Außengrenze dort liegen. Der wirtschaftliche
Kontakt zum Westen über Polen könnte auch abreißen und dies hätte
verheerende Folgen für die ökonomische Lage der Ukraine.
Mit den weltpolitischen Veränderungen nach dem
Terroranschlag in den USA hat sich die Meinung auf beiden Seiten verändert. Es
werden sogar Spekulationen auf Seiten der NATO und Russlands laut, die einen
Beitritt von Russland zur Organisation nicht mehr ausschließen. Die Sicherung
des Friedens in Europa und der ganzen Welt stehen im Mittelpunkt dieser Überlegungen. Die besondere Lage Polens ist eine Herausforderung
aber auch gleichzeitig eine Belastung, darum wird ein wenig Sicherung der Lage
durch die Zugehörigkeit zur NATO gegeben. Der Unterschied zwischen NATO und der
EU ist, dass es in der NATO eine Befehlsstruktur gibt aber keinerlei
Bestimmungen hinsichtlich der Ausrüstung, Truppenstärke usw. eines
Mitgliedslandes, d.h., es gibt keine konkreten Richtlinien, nach denen sich die
Mitglieder richten müssen. Die NATO wird daher als Vorbereitung auf eine
Mitgliedschaft in der EU verstanden, aber die Mitgliedschaft in einer solchen
Institution erfordert einen funktionierenden Staat, der die Auflagen der EU an
die Beamten weitergibt. In den Ländern der ehemaligen UdSSR sind die Strukturen
derzeit noch nicht vorhanden.
Polen hatte seit dem
Zweiten Weltkrieg keine gute Lage in Europa. Russland übte seinen Einfluss auf
das Land aus, denn die Nähe zu Deutschland war ein Risiko für die UdSSR. Seit
Ende des „Kalten Krieges“ bemühte sich Polen, das Gleichgewicht zwischen
den Beziehungen zu Russland und Deutschland zu halten und damit auch die
wirtschaftlichen Beziehungen miteinander. Beim Eintreten von Polen in die NATO
gab es Kritiker, die einen Konflikt erwarteten, der sich um die direkte Grenze
der NATO zu Russland drehen würde. Russland musste im Prozess zur Eingliederung
Polens in die NATO und später auch in die EU davon überzeugt werden, dass sich
die westliche Politik nicht gegen sie richtet, sondern auch eine Chance für die
eigene Wirtschafts- und Sicherheitspolitik sein wird. In dem Denkschema der
russischen Gesellschaft konnte ein Beitritt Polens zur NATO nicht verstanden
werden.
Seit dem 12. März
1998 ist Polen nun NATO-Mitglied. Zusammen mit Ungarn und Tschechien traten sie
dem Bündnis bei. Nach Ende des Warschauer Paktes wurden in Polen die
Forderungen nach Sicherheit laut. Gerade die traumatischen Erlebnisse zu Beginn
des Zweiten Weltkrieges, die Hitler Tschechien und Polen zugefügt hatte, kamen
wieder ins Bewusstsein. Ohne den Schutz eines Militärbündnisses fühlten sich
die Länder ausgeliefert. Das Angebot der NATO für Beitrittsverhandlungen kam
den Polen für ihre Sicherheit in Europa sehr gelegen. Dennoch fürchteten sich
viele in der polnischen Gesellschaft vor dem Verlust der Souveränität des
Landes, die zu einer Identitätskrise hätte führen können. Die Mitgliedschaft
zieht zwar das Geld von andern Ressourcen zum Militäretat, aber mittlerweile
wird das Misstrauen nach und nach weniger.
1.1.
Ziele
und Geschichte der NATO
Redaktionelle Anmerkung: Die Vorbereitung und
Auswertung der Studienfahrt erfolgte im Rahmen des »Arbeitsschwerpunktes
Polen« zum Thema »Länderübergreifende elektronische Partnerschaften /
Begegnung mit Polen« im Projekt Textfassung: 06.10.01 Rahmenthema „Transformationsländer“. Studienfahrt nach Kraków, Herbst 2001. Veröffentlicht im Internet im April 2002 unter http://www.unesco-club-bismarckschule.de. In der Fassung vom 09.08.2005 auf auch veröffentlicht auf http://www.voigt-bismarckschule.de/Polen/Polen_2001/NATO_Osterweiterung.htm in der Fassung vom 2009-07-26 revidiert 29.11.2011 Urheberrechte vorbehalten. IV/02/Voigt / v. 19.06.02 / 12.03.05 / 30.11.2011 |
|
Verantwortlich für diese Seite
Gerhard Voigt, OStR
i.R. - Kontakt vgl.
Impressum Bearbeitungsstand: April 2002. Letzte Bearbeitung: 30.11.2011 |
|
|
|
top |
|
|
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Der Homepage untergeordnete Ebene:
•
Gleiche Ebene:
Übergeordnete Ebene:
Untergeordnete Ebene: • •
Zurück und weiter:
• UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V. Bearbeitungsstand: 05.12.2011 |