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Gerhard Voigt:

Probleme und Perspektiven der Globalisierung

Didaktische Zugänge zwischen Aktualitätsprinzip, verallgemeinerndem Ler­nen und exemplarischen Fallbeispielen

Einführung in die Problemstellung

Das Thema »Globalisierung« ist, verfolgt man die aktuellen Medien, zu einem der zentralen »Schlüsselprobleme« der heurigen Gesellschaften oder auch der »Weltgesellschaft« geworden. In einer distanzierten und differenzierte­ren Analyse der Sachverhalte, auf die sich der Begriff der »Globalisierung« bezieht , sind aber Einwände gegen die postulierte zentrale Bedeutung dieses Erklärungskonzeptes durchaus nicht ausgeschlossen, wie es z.B. der Politik­wissenschaftler Michael Vester 1 mehrfach polemisch ausgedrückt hat, indem er die Globalisie­rungshypo­these als »Phan­­tomtheo­rie« bezeichnet und auf die deutliche Interessengebundenheit des Rekurses auf Globalisie­rungskon­texte hinweist. In großer Schärfe weist auch der Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler Horst Afheld den objekti­ven Erklärungswert der Globalisierungshypothese zurück und insistiert auf die Kontradiktion der liberal-kapitalisti­schen Globalisierungskonzeption durch interessengeleitete z.B. gewerkschaftsorientierte Reali­tätsperspektiven gegenüber den Krisen in der Weltwirtschaft.2 Beide Perspektiven lassen sich, auch ohne direkten Bezug auf die genannten Autoren auch im Leitartikel von Schacht ansatzweise kritisch herausarbeiten.

Unter diesem kritischen Aspekt ist es notwendig, die möglichen sinnvollen Kontexte des Themas »Glo­ba­li­sie­rung« zu differenzieren, gerade wenn der didaktische Vermittlungsanspruch leitend ist. Der Bezug auf die in der Vermittlungssituation zur Verfügung stehenden, im engeren Sinne gerade nicht wissenschaftlichen Materia­lien, nämlich die Berichte in allgemein verfügbaren Zeitungen, Zeitschriften und anderen Massenmedien3, der die vorlie­gende Materialgrundlage mit einem kritischen Kommentar von Schacht4 aus einer Tageszeitung entspricht, lässt das übliche Rezeptionsschema der »Aktualität« in den Vordergrund treten. Dieses Aktualitätsprinzip ist wissenschaft­lich problematisch und letztlich noch unzureichend in der Fachdidaktik reflektiert, da es zunächst ganzheitlich aufgenommen wird und Rezeptionsbarrieren, Interessenlagen und Krisenwahrnehmung zum undiffe­renzierten Komplex der »interessanten Neuigkeit« zusammenfasst. Gerade mit dieser Melange unterschiedlicher gesellschaftli­cher Einbindungen muss das Aktualitätstheorem kritisch-distanziert analysiert und differenziert wer­den, hat es doch in der individuellen Wahrnehmung gerade die psychologische Funktion der Komplexitätsredukti­on der Realitäts­wahrnehmung und ihrer Entdifferenzierung.

Das wissenschaftliche Gegentheorem gegen das Aktualitätspostulat ist die Forderung, Sachverhalte zu ver­all­gemeinern und in ihren regelhaften Bedeutungsstrukturen zu erkennen und zu erklären. Scheinbar bewegt sich der Artikel von Schacht auf dieser Ebene, auch wenn er letztlich an das Aktualitätspostulat anknüpft. Gerade aus die­sem immanenten Spannungsverhältnis können fruchtbare Interpretationsansätze entwickelt werden.

Die interpretatorische Spannweite und Problematik des Thema »Globalisierung« wird besonders dann deut­lich, wenn die Überlegungen unter die Perspektive des exemplarischen Ansatzes und der exemplarischen Konkreti­sierung gestellt werden. Exemplarik bedeutet hier nun keineswegs, nur »Beispiele« für eine abstrakt entwickelte »The­se« ist, also letztlich nur Belegcharakter besitzt, sondern selbst Agens der Realitätserschließung sein muss. Hier ist der Text von Schacht sehr brauchbar, da einerseits der Blick des Autors durch eigene Beschäftigung mit den Pro­ble­men der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in semiperipheren Regionen wie der Türkei geschärft ist, was den Voraussetzungen des Themas entgegenkommt, sondern in seiner Argumentation deutlich über die üblichen euro­zen­tri­schen Urteilsperspektiven hinausweist. Der Soziologe Ingolf Ahlers findet gerade in der exemplarischen Ar­beit über semiperiphere Regionen den fachlichen Ansatz, einen differenzierteren Globali­sierungsbegriff aus »ab­wei­chen­der Perspektive« heraus zu entwickeln.5 Die unterrichtliche Beschäftigung mit semiperipheren Regionen wie Iran, dem Nahen Osten oder der Türkei ist daher ein geeigneter Ansatz, exemplari­sche Analysen als Korrektiv und Prüf­stein allgemein formulierter Thesen über die Globalisierung zu entwickeln.

1. Prozesse und Wahrnehmungen der Globalisierung im zeitgeschichtlichen Kontext.

Der Text von Schacht beginnt sinnvollerweise, indem er den Widerspruch aufzeigt zwischen der Selbstverständ­lichkeit, mit der in Mitteleuropa der internationale Warenverkehr im alltäglichen Konsum genutzt wird – es ist aufzuzeigen, dass diese »Selbstverständlichkeit« selbst zu einem Topos der bewusstseinsmäßigen Universalisierung auch in den Ländern der Peripherien und Semiperipherien geworden ist – und der immer deutlicher anachronisti­sch erscheinenden Bewusstseinsentwicklung, die keineswegs eine adäquate internationale Orientierung ausgebildet hat, sondern, hier wäre der Text noch zu ergänzen, in den augenblicklichen parallelen bzw. gegenläufigen Prozes­sen der Individualisierung und neuen, alte soziale Bindungen ablösenden Fragmentierung der Gesellschaft sich ei­ner bewusstseinsmäßigen »Abkoppelung« von den aktuellen gesellschaftlichen Transformationen ausdrückt.

Gegenüber einer politischen »Avantgarde« im Europa des beginnenden 20. Jahrhunderts, das in der Arbei­ter­bewegung einen Ansatz der Überwindung nationalstaatlichen Denkens und den Beginn eines ideologischen Interna­tionalismus sehen wollte, ist die heutige Entwicklung, wie Schacht ausführt, beinahe eine Gegenthese. Doch lassen unsere Überlegungen den Interpretationsansatz zu, dass der gesellschaftliche Prozess in der Entwick­lung der globalen industriellen Zentren im »Weltsystem« tatsächlich ein aktueller Schritt über die traditionelle Konzeption des europäi­schen Nationalstaates hinaus bedeutet, der sich in der europäischen Integration konkreti­siert und sich auch in der zumindest teilweise wachsenden Bedeutung supranationaler Organisationen (UN, NATO, WTO, UNCTAD etc.) und der parallelen Universalisierung vergleichbarer völkerrechtlicher Prinzipien nachweisen lässt.

Damit wird aber auch deutlich, dass die Globalisierung keineswegs ein intendierter revolutionärer Prozess ist, sondern die Konsequenz politisch-ökonomischer Transformations- und Inkorporationsprozesse. Wie in der Ent­wick­lung der europäischen Neuzeit wird die Herausbildung staatlicher Institutionen, der sie ermöglichenden und tragen­den Homogeniserungs- und Integrationsprozesse und der Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols erst in der historischen Perspektive zu einem revolutionären Prozess. So wäre parallel zur historischen Analyse der Entstehung der europäischen »Staatsgesellschaft«6 nach den institutionellen Folgen einer gesellschaftlichen Integration hin zu einer »Glo­balgesellschaft« zu fragen, die nicht nur ein Abbild des traditionellen Nationalstaates ist, sondern eine eigene Kontroll- und Gestaltungskompetenz entwickelt.

2. Die Asymmetrie der Globalisierungsprozesse

Es ist auffällig und wird auch von Schacht in den Vordergrund gestellt, dass die ökonomischen, politischen und sozialen Veränderungen der Gegenwart durchaus nicht parallel verlaufen, sondern im Gegenteil zunehmend so­wohl zu sektoralen wie zu regionalen Entwicklungsasymmetrien führen. Dies ist ein zentrales Problem für unsere Überlegungen.

Diese auffälligen Asymmetrien prägen die Globalisierungsprozesse nachhaltig und begründen politische Konfliktlagen. Regionale und soziale Disparitäten sind die Folge. Dies macht eine interdisziplinäre Erklärungsper­spektive notwendig, die neben soziologisch-politischen Ansätzen auch geographische, zeitgeschichtliche und wirtschaftswissenschaftliche Beurteilungen notwendig macht. Um hier auf die einleitenden theoretischen Anmer­kungen zurückzugreifen, wird durch die Komplexität der »Globalisierungsrealität« die immanente Begrenzung »einfacher« Verallgemeinerungen ebenso deutlich wie die Inadäquanz des Aktualitätsprinzipes. Hier wird das »exemplarische Arbeiten« als notwendig zu erkennen sein.

Die Asymmetrie der Globalisierungsprozesse lässt sich durch die exemplarische Analyse von Räumen deutli­cher herausarbeiten, die in einem gesellschaftlich-ökonomischen Transformationsprozess befindlich sind. Das Beispiel der Türkei, das hier nahe liegt, zeigt die desintegrativen Potentiale des Globalisierungsprozesses. Die Geschichte der Integrations- und Desintegrationsphasen im durch Brüche und Verwerfungen gekennzeichneten Modernisierungsprozess der Türkei zwischen der Tanzimat-Epoche im 19. Jahrhundert, der jungtürkischen Revolu­tion vor dem Ersten Weltkrieg und der Ausrufung der Türkische Republik durch Mustafa Kemal Paa, dem späte­ren Staatspräsidenten Atatürk 1924 kann hier nicht im Einzelnen nachgezeichnet werden, obwohl aus dieser Ge­schichte wesentliche Ansätze zur Erklärung der Inkorporation der Türkei in das »Weltsystem« und die heutige Annäherung des Landes an Europa im Rahmen einer dominant werden Globalisierung abzuleiten wären.7

Die Türkei ist aber – wie auch Iran oder andere Länder der sogenannten Peripherien – ein Beispiel für die postulierte Asymmetrie der Globalisierungsprozesse. Zum einen evoziert die Entwicklung des an den globalen Zentren orientierten modernen Sektors der Türkei in den urbanen Zentren und wachsenden Industrieagglomeratio­nen – İstanbul, Ankara, İzmir, İskenderun etc., aber auch die türkische Schwarzmeerküste zwischen Samsun und Trabzon – wachsende regionale Disparitäten im West-Ost-Gefälle, in zentral-peripheren Disparitäten und im wachsenden Gegensatz städtischer Lebensräume und ruraler Randbereiche und damit politisch und sozial gefährli­che Peripherisierungs- und Marginalisierungsprozesse, zum anderen wachsen die sozialen Disparitäten und Spannungen, die sich nun selbst nicht als Modernisierungskonflikte verstehen, sondern sich ethnisch, religiös oder kulturell definieren und ausdrücken. Der periphere, sich ethnifizierende Konflikt zwischen Kurden und Türken in Südostanatolien ist ebenso Ausdruck dieser gesellschaftlichen Desintegration wie das Erstarken des politischen Is­lamismus und der »Anatolisierung« der Großstädte durch die Landflucht und das Anwachsen der ländlich gepräg­ten Slumgebiete der »gecekondus«.

Regionale und soziale Disparitäten sind somit zwei Seiten der umfassenderen Charakterisierung der Globa­lisierungsfolgen durch die Asymmetrie der Globalisierungsprozesse. Zu Grunde liegt wirtschafts- und sozialwis­senschaftlich aber eine viel tiefer liegende strukturelle Asymmetrie, die die gesellschaftlichen Disparitäten hervor­ruft, nämlich die sektorale Asymmetrie zwischen Globalisierung des Kapitalverkehrs und der Güterproduktion bei gleichzeitiger mangelnder Internationalisierung der politischen und sozialen Entscheidungs- und Machtstrukturen, die sich letztlich sogar in zunehmender Abschottung zentraler Industrieregionen wie Europa und der USA gegen Einwanderung aus den Peripherien und den Semiperipherien ebenso ausdrückt wie in der kulturell-politischen Abschottung der Ablehnungsländer gegenüber den Folgen kultureller Universalisierung, die im Kampf um den Erhalt eigener kultureller und politischer Identität – die sich an den jeweiligen Macht- und Herrschaftsstrukturen und -interessen konkretisieren lässt–  die Folgen einer befürchteten »Verwestlichung« abwehrt, wie in der Islami­schen Revolution in Iran oder im Islamismus der Türkei.

Die gesellschaftlichen Bereiche, die die Realitätssicht und das sozialen Verhalten der Einzelnen prägen und bestimmen, liegen eben in der Alltagserfahrung, den innergesellschaftlichen Kontakten und Kommunikationsver­bindungen, in allen den Erfahrungsbereichen, die Alltagssicherheit, Orientierungssicherheit und persönliche Zukunftsplanung gewähren. Dies ist gerade nicht die Sphäre der sich internationalisierenden Warenproduktion, des Warenaustauschs und des Kapitalverkehrs. Im Gegenteil, am eigenen Arbeitsplatz, in der persönlichen sozia­len Umwelt, wird die Internationalisierung zunehmend als Verunsicherung, Gefahr und Bedrohung wahrgenom­men, denen man mit Abwehr, Konzentration auf die Kleingruppe und letztlich auch mit »Staats­ver­dros­sen­heit« begegnet, da der »Staat« gerade auch als Repräsentant der Globalisierung wahrgenommen wird.

Diese Folge der Globalisierung wird von Schacht in den Vordergrund gestellt, wenn er die Widersprüchlich­keit der heutigen Globalisierungsprozesse thematisiert. Vor allem die Widersprüchlichkeit zwischen den Faktoren und Prozessen, die das Alltagsbewusstsein bestimmen und der Beurteilung der objektiven Transformationen in der Weltwirtschaft, der Nachteile in der Alltagssicherheit und der – möglichen – Vorteile im ökonomischen Bereich bestimmt auch für Schacht die Asymmetrie der Globalisierung.

3. Globalisierungsgewinner und Globalisierungsverlierer

Nicht nur die Frage nach den Ursachen der aktuellen Globalisierungsprozesse ist wichtig und zu diskutieren, son­dern auch die Frage nach den Wirkungen und Folgen. Im letzten Abschnitt wurde schon auf die strukturellen und glo­balen Veränderungen hingewiesen und das Konzept der »Weltsystemtheorie« nach Wallerstein thematisiert. Hier überlagern sich ökonomische Globalisierung und politisch-ökonomische Inkor­po­ra­tions­pro­zes­se, die histo­risch weitaus langfristiger sind als die heute entstehenden Kapitalverflechtungen und Globalisierungen im Pro­duktionssektor.

Haben wir im letzten Abschnitt die Widersprüchlichkeit, die Asymmetrie der Globalisierung in sozialer und politischer Hinsicht charakterisiert, so ist bei einer Bewertung dieser Prozesse der Blick auf die Bilanz der Globa­lisierung für die Einzelnen wie für soziale Gruppen zu beurteilen. Hier ergibt sich eine weitere Widersprüchlich­keit der Globalisierungsfolgen, wenn festzustellen ist, dass in den industriellen Zentren der Welt die Erfahrung der Globalisierung und Universalisierung zu einem Entwicklungsschritt über den europäischen Nationalstaat hinaus in Richtung auf internationale Kooperation und Integration führt, dem als Gegenströmung im gesellschaftlichen Alltag die Prozesse der Individualisierung zuzuordnen ist, die die Erfahrungen der Globalisierungsverlierer eben­so aufnimmt, wie den traditionellen »bürgerlichen Liberalismus«. Eine kritische politische Öffentlichkeit setzt sich mit dem Bedeutungsverlust der traditionellen Nationalstaatsinstitution und der Notwendigkeit, eine »Brücke« zwischen noch utopischer »Weltgesellschaft« und vereinzelndem Individualismus auf Konzepte der Zivilgesell­schaft und des Kommunitarismus.

Auf der Seite der Peripherien und Semiperipherien gibt es gleichermaßen Globalisierungsverlierer und Glo­balisierungsgewinner. Große Teile der oft noch rural geprägten Gesellschaften außerhalb der großen Städte und in den sozialen Elendsvierteln der Migranten aus den Binnenperipherien in den städtischen Randgebieten profitieren nur sehr bedingt von der zunehmenden internationalen Integration dieser Volkswirtschaften. Peripherisierungs­prozesse konterkarieren ökonomischen und sozialen Fortschritt. Die Reaktion darauf ist eine ganz andere als in den industriellen Zentren. Globalisierungsverlierer begreifen sich als Moderniserungsverlierer und wenden sich sozial und bewusstseinsmäßig von »verwestlichten Lebensstilen« und Gesellschaftskonzepten ab und tendieren zu einer teilweise romantisierten Rückwendung in ländlich-geschlossene Lebensverhältnisse, bei denen das religiöse Bekenntnis eine entscheidende Rolle für die Alltagsorientierung der Menschen spielt.

Die Globalisierungsgewinner suchen eine gesellschaftliche Integration und Stabilität gerade in denjenigen nationalstaatlichen Konzepten, die durch den Globalisierungsprozess in den industriellen Zentren scheinbar obso­let zu werden beginnen. So ergibt sich ein komplexes und widersprüchliches Konfliktbild nicht nur zwischen den verschieden entwickelten und inkorporierten Wirtschaftsregionen, sondern zwischen den sozialen Gruppen nicht nur im Binnenverhältnis der Staaten, sondern auch im zwischenstaatlichen Bereich. Dies weiter exemplarisch zu belegen führt zur Thematik der aktuellen Migrationsströme, deren soziale Zuordnung noch zu wenig ins Bewusst­sein der politischen Öffentlichkeit gedrungen ist. Denn es gibt sehr unterschiedliche internationale Migrationspro­zesse, die einmal die ökonomische Ebene der Globalisierung durch Austausch der Führungskräfte und Fachkräfte repräsentieren, aber auch die klassische politische Migration umfassen, die kaum als sozial problematisch wahrge­nommen wird, und es gibt die Unterschichtungsprozesse durch die Migration sozial schwacher Gruppen, also die Arbeits- und Notmigration, oft ruraler Herkunft in die industriellen Zentren. Diese Form der Migration wird gera­de dadurch in der Öffentlichkeit als problematisch wahrgenommen, weil die Verhaltensmuster dieser »Überlebenseinheiten« den Alltagsbewältigungs-Strategien der binnenländischen Globalisierungsverlierer diametral entgegengesetzt sind, was zu gegenseitiger Ablehnung, Ghettoisierung und letztlich einer sekundären Ethnifizierung der sozialen Konflikte führt.

Aus dieser Überlegung heraus lassen sich über den Text und die Problemstellung hinausgehende fachliche und politisch-gesellschaftliche Fragestellungen und Perspektiven ableiten und das Thema in übergeordnete Kom­plexe einordnen, die einmal das Konzept des exemplarischen Arbeitens und der möglichen theoretischen Verall­gemeinerung und der politischen Vergleiche evaluieren könnten.

Anmerkungen:

1    Cf. Stief, Gabi, 1996: „Die Globalisierung ist eine Phantomtheorie“. Michael Vester, Politikwissenschaftler an der Uni­versität Han­nover im Gespräch. Hannoversche Allgemeine Zeitung, Nr. 191, Donnerstag, 15. August 1996, S.2. Politik.

2    Cf. Sagolla, Dieter, 1996: Menschliche Arbeit „billig wie Dreck“. Horst Afhelds Thesen zur Globalisierung zu Billig­lohn­öko­no­mien. Neue Presse (Hannover), September 1996.

3    Der Bezug auf das »Internet« liegt hier nahe, soll aber nicht weiter vertieft werden, da die Thematisierung der Zuverläs­sigkeit, Systematik und quellenkritischen Überprüfbarkeit der nahezu unübersehbaren, dabei nur sehr begrenzt brauchba­ren Informationsflut dieses neuen Mediums einer eigenen auch empirischen Untersuchung bedarf. In diesem vorliegenden thematischen Abriss liegt daher das aufbereitete Material eines – seriösen – Zeitungsartikels als exemplarischem Beispiel für die öffentliche Rezeption des Globalisierungsthemas zu Grunde.

4    Daniel Alexander Schacht: Die neue Internationale. Wer setzt die Spielregeln im globalen Dorf? Hannoversche Allge­meine Zeitung, Nr. 24, Samstag, 20. Januar 2000, S. 1. Leitartikel.

5    Cf. Ahlers, Ingolf, 1999: Im Zeichen der Globalisierung – Weltökonomie und Neoliberalismus. Eine Einfüh­rung in den Diskussionsstand aus abweichender Perspektive. In: Kürşat-Ahlers, Elçin / Tan, Dursun / Waldhoff, Hans-Peter, Hg., 1999: Globalisierung, Migration und Multikulturalität Werden zwischenstaatliche Grenzen in innerstaatliche Demarkati­onslinien verwandelt? Wissenschaftliche Schriftenreihe: ZwischenWelten: Theorien, Prozesse und Migrationen. Hg. Kürşat-Ahlers, Elçin / Tan, Dursun / Waldhoff, Hans-Peter, Institut für Soziologie der Universität Hannover in Ver­bindung mit der Deutsch-türkischen Vereinigung zum sozial- und geisteswissenschaftlichen Austausch (DTA), Hannover. Hannover (IKO – Verlag für Interkulturelle Kommunikation). S. 15-48.

6    Cf. Voigt, Gerhard, i.V.: Zur Begriffsbestimmung von „Staat“ und „Staats­ge­sell­schaft“. Anmer­kun­gen zur begrifflichen Differenzierung. In: Voigt, Gerhard, Hg., i.V.: Staatsge­sellschaft. Forum Po­li­to­lo­gie und Soziolo­gie. Galda + Wilch Ver­lag. Glienicke/Berlin / Cam­bridge/Massachusetts (in Vor­be­rei­tung).

7    Cf. Wallerstein, Immanuel / Decdeli, Hale / Kasaba, Resat, 1984: Die Inkorporation des Osmanischen Reiches in die Weltwirt­schaft, in Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des Vorderen und Mitt­leren Orients. S. 397-417. – Voigt, Gerhard, 1996: Probleme der Nationalstaatsbildung und Modernisierung an der Periphe­rie Europas. Gesellschaftlich-hi­storische Anmerkungen zur Türkei. In: politik unterricht aktuell (Verband der Politiklehrer e.V.). Heft 1-2, 1996: 39-62.

Inhalt

1. Prozesse und Wahrnehmungen der Globalisierung im zeitgeschichtlichen Kontext.

2. Die Asymmetrie der Globalisierungsprozesse

3. Globalisierungsgewinner und Globalisierungsverlierer

Anmerkungen

Quelle und Verwendung / Impressum für diese Seite

Quelle und Verwendung:

Manuskript 21.02.00 (bisher unveröffentlicht) –

Zum Quellentext: Daniel Alexander Schacht: Die neue Internationale. Wer setzt die Spielregeln im globalen Dorf? Hannoversche Allgemeine Zeitung, Nr. 24, Samstag, 20. Januar 2000, S. 1. Leitartikel. –

Verwendung: Erwartungshorizont Abiturthema 2, Abiturprüfung 2000, Politik 13 PT 4-P

Internetpublikation auf http://www.voigt-bismarckschule.de

Verantwortlich: Gerhard Voigt, Kontakt siehe Impressum.

Bearbeitungsstand: 18.12.2009

 

 

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